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Von einer Hölle in die nächste

Immer wieder hört man von grausamen Welpentransporten, die junge Rassehunde unter tierquälerischen Bedingungen durch ganz Europa karren. Nun haben Bundespolizisten an der A 93 bei Marktredwitz ein neues "Geschäftsmodell" enttarnt.

Hitze, Durst und beklemmende Enge: 31 Hunde hat eine dubiose Organisation unter dem Deckmantel des Tierschutzes von Rumänien nach Deutschland geschmuggelt. Eine Streife der Bundespolizei hat dieser Tierquälerei bei Marktredwitz ein Ende gesetzt. Fotos: Andreas Brucker   » zu den Bildern

Immer wieder hört man von grausamen Welpentransporten, die junge Rassehunde unter tierquälerischen Bedingungen durch ganz Europa karren. Nun haben Bundespolizisten an der A 93 bei Marktredwitz ein neues "Geschäftsmodell" enttarnt. Die Leidtragenden: 31 Mischlingshunde und Welpen aus Rumänien.

von Tina Eckardt

MARKTREDWITZ Traurig blicken die braunen Knopfaugen aus dem engen Gitterkäfig. Kot und Urin bedecken den Boden, es stinkt bestialisch. Die Hündin drückt sich in eine Ecke, weicht verängstigt zurück, sobald sich eine menschliche Hand nähert. Dabei kann sie nicht wissen, dass ihre Tortur nun zu Ende ist: Eine Streife der Bundespolizei hat am vergangenen Samstagnachmittag um 13.30 Uhr an der A 93, Ausfahrt Marktredwitz, einen Sprinter mit italienischem Kennzeichen gestoppt. An Bord: Zwei Männer und eine Frau aus Rumänien - und 31 Mischlingshunde. Unter miserablen Bedingungen sollten sie von Rumänien über Deutschland und Belgien bis nach England gekarrt werden, um sie unter dem Deckmantel des Tierschutzes an mitleidige Menschen zu verschachern.

Andreas Brucker, stellvertretender Geschäftsstellenleiter des Deutschen Tierschutzbundes im Landesverband Bayern und Regionalbeauftragter für Oberfranken, war am Samstag dabei und beschreibt seine Eindrücke so: "Die Hunde waren in einem miserablen Zustand: Die kleinen Käfige waren komplett verkotet, die Hunde hatten kein Wasser, sporadisch Trockenfutter und waren am Ende ihrer Kräfte." Unter ihnen seien auch frisch kastrierte Hündinnen gewesen, die ohne Rücksicht auf ihre Schmerzen nach der Operation in die Käfige gesteckt wurden. "Sie waren seit Freitagfrüh um 5 Uhr pausenlos unterwegs", so Brucker. "Hätten wir Temperaturen gehabt wie an Pfingsten, hätten sie den Transport nicht überlebt."

Aber auch so sei die Lage brenzlig: Die Hunde seien derart entkräftet und halb verdurstet gewesen, dass sie niemals bis Belgien oder gar England durchgehalten hätten. Neben den drei kastrierten Hündinnen war auch ein gelähmter Hund an Bord. Nach ersten Untersuchungen besteht Brucker zufolge bei einigen Parvovirose-Verdacht - das ist eine hoch ansteckende Infektionskrankheit bei Hunden. Offensichtlich seien auch die EU-Impfausweise gefälscht, fraglich sei deshalb auch, ob der Tollwutschutz tatsächlich bestehe. Weiterhin seien die Hunde von Flöhen, Milben, Würmern und wahrscheinlich auch Giardien befallen, was sich aber gut in den Griff bekommen lasse.

"Die Hunde werden alle tierärztlich versorgt und wurden auf fünf Tierheime verteilt", berichtet Brucker weiter. 13 kamen im Tierheim Breitenbrunn unter und erholen sich auf der Quarantäne-Station von den Strapazen der Reise. Der Tierschutzverband wird sich nun mit seinen Justiziaren darum bemühen, dass der Transport rechtliche Konsequenzen nach sich zieht. Ersten Ermittlungen zufolge handelt es sich um ein einträgliches Geschäftsmodell, bei der eine rumänische und eine deutsche Tierschutzorganisation zusammenarbeiten und mit dem Mitleid der Menschen Geld verdienen: Diese sehen den Hund im Internet, zahlen 150 bis 200 Euro für den Transport und holen ihn dann an irgendeinem McDonald's- oder Aldi-Parkplatz ab. Geplante Anlaufstellen in Deutschland waren unter anderem Stuttgart und Karlsruhe. "Allein mit dem aktuellen Transport hätten sie 4 000 bis 5 000 Euro verdient", so Brucker weiter. Seiner Meinung nach werde hier ein gewerblicher Handel verschleiert. "Und das alles unter dem Deckmantel des Tierschutzes - das ist nicht vertretbar !"

Im Moment sind die Hunde beschlagnahmt und in Sicherheit - vorerst. Denn laut Brucker besteht die Gefahr, dass die Tierschützer die Hunde wieder herausgeben müssen. "Das ist aber allein schon wegen der Seuchengefahr vom Amt nicht vertretbar", meint er. Der Deutsche Tierschutzbund hat gegen die Täter Anzeige erstattet. Und Brucker ist zuversichtlich, dass hier eventuell der Paragraf 17 des Tierschutzgesetzes zum Tragen kommt, der von "erheblichen Schmerzen und Leiden" der Tiere spricht. "Dann hätten wir keine Ordnungswidrigkeit, sondern einen Straftatbestand." Neben einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren drohen auch hohe Geldbußen. "Ich hatte vor drei Jahren einen ähnlichen Fall, der musste 12 000 Euro zahlen."

Wie es nun ausgeht, wird sich zeigen. Die scheue Hündin jedenfalls wird sich in den nächsten Tagen im Tierheim bestimmt erholen und merken, dass eine menschliche Hand auch streicheln kann . . .

    
    

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