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Der singende Ironman

Von der Kelly Family zum Extremsportler: Joey Kelly erzählt vor einem interessierten Publikum in Schönwald, wie es zu diesem Lebenswandel gekommen ist.

Christopher Michael
Das Ex-Mitglied der Kelly Family beantwortete viele der interessierten Fragen aus dem Publikum. Joey Kelly plauderte aus dem Nähkästchen und berichtete zum Beispiel von seinem Lauf zum Südpol. Fotos: Ch.M.   » zu den Bildern

Von der Kelly Family zum Extremsportler: Joey Kelly erzählt vor einem interessierten Publikum in Schönwald, wie es zu diesem Lebenswandel gekommen ist.

von Christopher Michael

SCHÖNWALD Mit weißer Schirmkappe steht Joey Kelly vor den Zuhörern in der voll besetzten Turnhalle. Das Jacket ist eine Nummer zu groß, doch der Ausnahme-Athlet versteckt sich nicht hinter Äußerlichkeiten. Vielmehr überzeugt er mit seinen Leistungen. "No Limits - Wie schaffe ich mein Ziel" lautete auch der Titel seines Vortrags. Michael Miedl hatte Kelly nach Schönwald eingeladen. Miedl ist Vorsitzender des FC Schönwald und des Bürgervereins - und begeisterter Anhänger Kellys. Vor den Besuchern outete er sich sogar als Fan der Kelly Family, welche die musikalischen Wurzeln Joey Kellys bildet. Kelly war es auch, der Miedl zum Ausdauersport brachte. "Er hat mich inspiriert", so Miedl. Sieben Marathons und viele Halbmarathons stehen seither auf seinem Konto.

Wette weckt die
Lust am Laufen

Ähnlich motivieren sollte Joey Kelly auch die Schönwalder Zuhörer - mit großem Erfolg. Gebannt folgten sie den Worten des Ausdauersportlers. Bevor er jedoch auf seine sportlichen Erfolge einging, stellte er kurz seinen Weg von der Kelly Family zum Sport dar. Bereits in jungen Jahren tingelte er mit seiner Familie durch ganz Europa. An seinen Auftritt auf dem Hofer Maxplatz erinnerten sich sogar einige der Zuhörer an diesem Abend. "Mit einem alten Londoner Doppeldecker fuhren wir durch die Gegend", erinnerte sich Kelly. "Am Anfang waren unsere Fans zum großen Teil Obdachlose." Erst später stellte sich der Erfolg ein. Das Motto seines Vaters - er war Priester - begleitete ihn jedoch immer: "Gib immer mehr, als du nimmst."

Zum Sport kam Joey Kelly eher zufällig. Durch eine Wette mit seiner Schwester nahm er an seinem ersten Volkstriathlon teil. Danach wagte er sich auf immer größere Distanzen und in exotische Gebiete. Kelly: "Planung und Disziplin sind meine Geheimtipps, wenn es darum geht, den Sport mit dem Beruf zu verknüpfen." Das Training gehört für den Ausdauersportler zum festen Tagesablauf. Zwischen den Vorträgen und Reisen nehme er sich immer die Zeit zum Laufen, "und wenn es nachts von elf bis eins ist". Seine Berühmtheit durch die Kelly Family brachte ihn vor wenigen Jahren sogar bis an den Südpol. Als Teilnehmer der Fernsehproduktion "Der Wettlauf zum Südpol" nahm er die Strapazen der Antarktis auf sich und bereiste einen Kontinent, den nur wenige Menschen bisher zu Gesicht bekommen haben dürften. "Man muss immer bedenken: Der Südpol ist lebensgefährlich", sagte Kelly eindringlich. Er gab den Zuhörern wichtige Tipps, wie sie ihre Grenzen überwinden und sich zu neuen Zielen aufmachen können.

Entsprechend viel verlangt Kelly auch von den Menschen, die er trainiert oder unterstützt. Rainer Calmund etwa, den Joey Kelly vor einigen Jahren unter seine Fittiche nahm, kommentierte das Training mit ihm auf seine ganz eigene Weise: "Wenn man mit Joey Kelly trainiert, freut man sich aufs Sterben."

Dennoch ist Joey Kelly überzeugt, dass jeder normale Mensch auch besondere Leistungen erzielen kann. Es brauche nur drei Eigenschaften: Wille, Leidenschaft und Disziplin.

Der BLICKPUNKT hat Joey Kelly im Anschluss an den Vortrag interviewt:

Herr Kelly, würden Sie sich selbst als extrem bezeichnen ?

Nein, ich mache gerne Ausdauersport. Einige Wettkämpfe sind vielleicht im extremen Bereich und haben mit extremen Situationen wie Kälte oder Hitze zu tun, aber Extremsport hört sich unvernünftig an. Ich denke, das, was ich mache, ist vom Risiko her kalkulierbar.

Wie war Ihr Weg von der Kelly Family zum Ausdauersport ?

Ich habe ihn für mich zufällig entdeckt. Das ist jetzt 17 Jahre her, ich habe gemerkt, dass mir das Spaß macht und ich kann es mit meiner Leidenschaft, dem Abenteuer, verbinden. Ich kann andere Kulturen und Menschen erleben, die man als normaler Tourist gar nicht zu sehen bekommen würde.

Haben sich Musik und Ausdauersport am Anfang ausgeschlossen ?

Ich habe früher parallel einen Beruf als Musiker und Unternehmer geführt und den Sport als Ausgleich gehabt. Musik mache ich jetzt nicht mehr. Ich habe es lange gemacht, aber ich habe keine Zeit dafür. Es war lange, es war schön, aber es ist abgeschlossen für mich.

Wie war ihr Weg vom einfachen Ausdauersport hin zu den Ultraläufen ?

Ich denke, es ist relativ einfach: Es gibt keinen Weg. Man fängt mit einem Volkslauf an, macht dann einen Marathon. Dann macht man einen Ironman, dann läuft man seinen ersten Hunderter und dann läuft man 250 Kilometer Wüstenlauf. Wenn man den Weg geht und Spaß daran hat, geht es relativ schnell hoch. Ich denke, wenn jemand körperlich gesund ist, kann er in zwei, drei Jahren einen Langdistanz-Ironman oder einen Hunderter laufen.

Für das kommende Jahr haben Sie ein weiteres Abenteuer geplant. Können Sie über ihre neue Deutschlandtour bereits etwas erzählen ?

Es wird von der Ostsee nach Bad Reichenhall gehen. Entlang am Grünen Band und der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Die letzte Deutschlandtour war 900 Kilometer lang, ich denke, dass die nächste Tour länger wird - etwa 1 000 Kilometer. Das bin ich und die Strecke.

Gibt es etwas, das in Ihren Vorträgen nicht vorkommt, Sie den Menschen aber gerne an die Hand geben würden ?

Ich bin kein Prophet. Meine Arbeit ist es auch nicht, die Menschen zu belehren oder zu ändern. Jeder macht seinen Marathon auf seine Weise, ich zeige nur die Faszination Ausdauersport und wie man sich zu solchen Abenteuern aufrafft.

    
    

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