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Mit Gleichgesinnten Lebensfreude finden

Anita Hofmann leitet die Schlaganfall-Selbsthilfegruppe in Kulmbach. Einmal im Monat treffen sich die Betroffenen zum Austausch, aber auch um gemeinsam Spaß zu haben.

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Anita Hofmann leitet die Schlaganfall-Selbsthilfegruppe in Kulmbach. Einmal im Monat treffen sich die Betroffenen zum Austausch, aber auch um gemeinsam Spaß zu haben.

IMMER MEHR SCHLAGANFÄLLE

Rund 270 000 Menschen erleiden jährlich in Deutschland einen Schlaganfall. In Fachkreisen wird mit einem weiteren Anstieg gerechnet. Zwischen 20 und 30 Prozent dieser Patienten sterben entweder unmittelbar oder im Laufe eines Jahres an der Erkrankung. Damit zählt der Schlaganfall zu einer der häufigsten Todesursachen. Laut Angaben aus dem Statistischen Bundesamt gab es im Jahr 2015 56 982 Todesfälle im Zusammenhang mit Apoplexie, wie der Schlaganfall in der Medizinersprache heißt.

Doch auch die Patienten, die einen Schlaganfall dauerhaft überleben, sind oft für ihr restliches Leben mehr oder weniger stark eingeschränkt. Die Invaliditätsrate mit mittleren und schweren Behinderungen beträgt zwischen 30 und 35 Prozent. Weltweit ist der Schlaganfall eine der häufigsten Ursachen für eine Behinderung.

Schlaganfälle können zwar auch junge Menschen, sogar Kinder, betreffen. Allerdings stellen Senioren im Alter von mehr als 75 Jahren mit 51 Prozent aller Schlaganfälle die größte Altersgruppe. Das Schlaganfallrisiko steigt mit zunehmendem Alter überproportional.

Jeder einzelne kann viel tun, um sein persönliches Schlaganfallrisiko zu mindern. Allein Blutdruck im Normbereich senkt die Gefahr einen Schlaganfall zu erleiden um 60 Prozent. Auch der Verzicht auf Nikotin senkt das Risiko, ebenso hilft es, auf gute Blutzucker- und Cholesterinwerte zu achten, sich gesund zu ernähren und sich regelmäßig zu bewegen. Studien haben ergeben, dass auch ein zu hoher Salz-Konsum die Entstehung eins "Schlags" begünstigt.


KULMBACH "Nach einem Schlaganfall ist es wichtig, Unterstützung und Beratung zu erhalten", sagt Anita Hofmann. Die Leiterin der Kulmbacher Selbsthilfegruppe für Schlaganfallbetroffene "Mitten im Leben" weiß aus Erfahrung, dass gerade das Trennen mit anderen Betroffenen viel bewegen kann: "Das Miteinander stärkt die Leute. Oft hilft es schon, sich gegenseitig auszutauschen." Das und viel mehr bietet diese Gruppe, die 2015 vom Leitenden Arzt der Neurologie am Klinikum Kulmbach, Dr. Christian Konhäuser, und Brigitte Hohlbach-Jenzen, der langjährigen Leiterin der Bayreuther Selbsthilfegruppe ins Leben gerufen worden ist. Seit vergangenem Jahr ist die Kulmbacher Gruppe ein selbstständiger Verein. Die ehemalige Kulmbacher Rechtsanwältin Anita Hofmann ist Vorsitzende, Heinrich Potzel ist der Stellvertreter. Etwa 15 Mitglieder hat der Verein bisher. Sie sind zwischen Mitte 50 und 80 Jahre alt und haben sich für dieses Jahr viel vorgenommen.

Jedes Treffen hat einen Schwerpunkt, berichtet Anita Hofmann. Derzeit komme eine Logopädin, die mit den Gruppenmitgliedern Sprachübungen macht. Danach gibt es Kaffee und Kuchen oder eine Brotzeit. Natürlich wird dabei geredet: Über die eigene Lebenssituation ebenso wie über "Gott und die Welt", sagt die Vorsitzende. Gerade diese persönliche Ebene, das Knüpfen von Freundschaften, ist ein wichtiges Element der Gruppenarbeit. Die findet nicht nur in dem Raum statt, im dem sich die Mitglieder einmal monatlich treffen. "Wir wollen dieses Jahr zusammen auf die Luisenburg fahren", kündigt Anita Hofmann an. Sie hat vor, einen Töpferkurs zu organisieren und auch eine Fahrt zur Therme in Staffelstein mit Wassergymnastik anzubieten.

In der Arbeit dieses kleinen, aber rührigen Vereins geht es aber auch um praktische Hilfen zur Bewältigung des Alltags und um Unterstützung bei seelischen Krisen. Drunter leiden viele Betroffene, weiß Anita Hofmann. Besonders wer nach einem Schlaganfall Behinderungen bewältigen muss, wer mit Sprachstörungen oder Lähmungen zurechtkommen muss, falle immer mal wieder in ein tiefes Tal. Da helfe es, wenn man auf das Verständnis von Menschen bauen kann, die selbst schon in solchen Krisen gesteckt waren.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Information. Fachvorträge zu medizinischen, therapeutischen und sozialrechtlichen Themen geben das Rüstzeug, die Krankheit und ihre Ursachen und Auswirkungen kennenzulernen. Wer akut betroffen ist, kann sich auch direkt an Anita Hofmann wenden. Wenn es sich einrichten lässt, kommt sie zu einem Besuch nach Hause oder ins Krankenhaus.

Der Schlaganfall, sagt Dr. Christian Konhäuser, Leitender Arzt der Neurologie am Klinikum Kulmbach, ist eine der häufigsten Erkrankungen im Alter. Konhäuser, der bei der Gründung der Selbsthilfegruppe mitgeholfen hat und sie auch heute noch regelmäßig begleitet, weiß, dass in vielen Fällen eine Behinderung bleibt, dass es für die Betroffenen oft nicht leicht ist. Deshalb unterstützt er die Selbsthilfebewegung nach Kräften, fand es richtig, auch in Kulmbach ein solches Angebot zu haben. "Auch nach Ausschöpfung aller Behandlungsmöglichkeiten und Reha-Maßnahmen sind viele Betroffene auf fremde Hilfe angewiesen. Da sind die Hausärzte gefordert, die Neurologen, aber auch Ergo- und Physiotherapeuten sowie Logopäden. Nicht weniger wichtig ist aber auch die Betreuung durch Angehörige und der Zusammenschluss der Betroffenen in der Selbsthilfegruppe. Dort findet man Austausch mit anderen Betroffenen ebenso wie Beratung. Eine Selbsthilfegruppe wie es sie seit einiger Zeit nun auch in Kulmbach gibt, halte ich deshalb für wichtig und sinnvoll."

Von 200 Patienten, die jährlich in der Neurologie des Klinikums Kulmbach behandelt werden, haben laut Aussage von Dr. Christian Konhäuser 500 einen Schlaganfall erlitten. Die Zahl der Betroffenen steigt auch in der Region Kulmbach.

Die Selbsthilfegruppe trifft sich regelmäßig jeden ersten Freitag im Monat von 14 bis 17 Uhr im Schülerwohnheim des BRK in der Weltrichstraße 2a (ehemaliges Hansa-Hotel) in Kulmbach. Die Gruppe freut sich darauf, neue Mitglieder zu begrüßen. Direkt Betroffene sind dabei ebenso willkommen wie Angehörige. Anita Hofmann ist telefonisch unter 09228/5902 oder mobil unter 0176/23742385 zu erreichen.

    
    

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