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Hilfe nach dem Schlaganfall

Die Diakonie startet ein neues Projekt. Interessierte können sich zu ehrenamtlichen Schlaganfall-Helfern ausbilden lassen und die Betroffenen und ihre Angehörige unterstützen.

Im Krankenhaus und in der Reha sind Schlaganfall-Patienten bestens versorgt. Damit die Betroffenen auch nach der Rückkehr ins eigene Zuhause nicht allein dastehen, will die Diakonie jetzt Schlaganfall-Helfer ausbilden. Der Kulmbacher Neurologe Dr. Christian Konhäuser unterstützt das Projekt gern.   » zu den Bildern

Die Diakonie startet ein neues Projekt. Interessierte können sich zu ehrenamtlichen Schlaganfall-Helfern ausbilden lassen und die Betroffenen und ihre Angehörige unterstützen.

SCHLAGANFALL

Der Schlaganfall gehört zu den häufigsten schweren Erkrankungen in Deutschland. Rund 270 000 Menschen erleiden jährlich in Deutschland einen Apoplex. Schlaganfälle haben schwere Folgen: 20 bis 30 Prozent der Betroffenen sterben innerhalb eines Jahres nach der Erkrankung. Damit ist der Schlaganfall eine der häufigsten Todesursachen in Deutschland. 2015 stellte das Statistische Bundesamt 56 982 Todesfälle durch sogenannte zerebrovaskuläre Krankheiten fest. Doch auch für die Patienten, die den Schlaganfall überleben, ist hinterher keinesfalls immer alles wieder gut. 30 bis 35 Prozent der Betroffenen sind nach dem "Schlag" mittel bis schwer behindert. Schlaganfälle können auch junge Menschen, sogar Kinder, betreffen. Die Senioren allerdings tragen das größte Risiko: 51 Prozent aller Schlaganfallpatienten sind älter als 75 Jahre. Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko überproportional.


KULMBACH "Ein Schlaganfall kann in jeder Familie passieren", sagt Pia Schmidt. Die Mitarbeiterin der Kirchlichen Allgemeinen Sozialarbeit (KASA) in der Kulmbacher Diakonie weiß aus ihrer beruflichen Erfahrung, wie die Folgen eines Schlaganfalls nicht nur die Betroffenen direkt, sondern auch ihre Angehörigen fordern. Dass jetzt dank einer großzügigen Spende der Kulmbacher Firma Saum und Viebahn ein Projekt gestartet werden kann, das Hilfe in solchen Situationen bringt, freut Pia Schmidt besonders. In Kulmbach ist es vom kommenden Frühjahr an möglich, sich zum Schlaganfall-Helfer ausbilden zu lassen. In Nordrhein-Westfalen beispielsweise ist diese besondere Form ehrenamtlicher Tätigkeit schon weit verbreitet. Im Landkreis Ansbach wurde eine ähnliche Idee auch schon verwirklicht. "Wir waren von Anfang an von dem Projekt begeistert und haben zügig mit der Planung begonnen", betont Pia Schmidt "denn hier wird den Schlaganfall-Betroffenen durch die Begleitung der Schlaganfall-Helfer im Alltag, bei Problemsituationen und emotionalen Herausforderungen direkt und menschlich geholfen". Dies treffe genau die Zielsetzung des Spenders.

Susanne Schicker-Westhoff, geschäftsführende Gesellschafterin von Saum und Viebahn, wisse aus eigener Erfahrung in ihrer Familie, wie sich das Leben verändert, wenn ein Angehöriger einen Schlafanfall erlitten hat, berichtet Pia Schmidt. Das Unternehmen habe auf Weihnachtsgeschenke für seine Kunden verzichtet und mit dem Geld das Ehrenamtsprojekt "Schlaganfall-Helfer" ermöglicht, das die Diakonie Kulmbach in Kooperation mit Saum und Viebahn, dem Klinikum Kulmbach und der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe das Angebot für Schlaganfall-Betroffene und deren Angehörige jetzt in Kulmbach auf den Weg bringen kann. Ziel sei es, Schlaganfall-Helferinnen und -Helfer auszubilden, die die Versorgungslücke in der Nachsorge von Betroffenen schließen und somit pflegende Angehörige im häuslichen Umfeld entlasten sollen.

Ein Schlaganfall kommt meist völlig unerwartet. Jürgen Konrad, Leiter des Seniorenparks Mainpark und des Stifts in Mainleus, weiß, wie sehr sich nach einem solchen Ereignis alles verändern kann. "Ein Schlaganfall kann jederzeit jeden treffen, unabhängig von Alter und Geschlecht", macht er deutlich. Wenn es passiert ist, hilft es, Unterstützung zu haben und Informationen zu bekommen, welche Hilfsmöglichkeiten es gibt. "Wir wollen ein breites Feld aufmachen und einen Helferkreis schulen, der sein Wissen auch weitergeben kann."

Ein Schlaganfall trifft die Betroffenen ebenso aus heiterem Himmel wie die Angehörigen. Wenn die medizinische Versorgung abgeschlossen ist, die Reha-Behandlung beendet, steht der Alltag bevor. Der stellt Betroffene vor viele Fragen und Herausforderungen. Die ehrenamtlichen Mitarbeitenden sollen Hilfestellung bieten. "Sie tragen somit auch zur Entlastung der Angehörigen bei. Sie stehen beratend zur Seite und geben Unterstützung bei Themen wie Therapiemöglichkeiten oder Sozialleistungen und helfen bei Anträgen und Kommunikation mit Externen. Therapeutische, pflegerische oder vergleichbare Leistungen werden nicht erbracht. Die Hilfeleistung durch einen Schlaganfall-Helfer ist für die Betroffenen und deren Angehörige eine kostenfreie Leistung" erläutert die Diakonie das Aufgabenspektrum.

Kerngedanke sei dabei immer die Hilfe zur Selbsthilfe der Familien und die Begleitung des Patienten bei der Rückgewinnung von Mobilität sowie Selbstständigkeit im Alltag. "Menschen helfen Menschen, das ist dabei die Grundformel des Schlaganfall-Helfer-Konzeptes", macht Brigitte Mohn, Kuratoriumsvorsitzende der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe, deutlich. "Damit können Betroffene bei den kleinen und großen Herausforderungen des Lebens nach einem Schlaganfall persönliche Unterstützung und emotionalen Zuspruch finden".

Diesen Ansatz unterstützt auch der Leitende Arzt der Neurologie am Klinikum Kulmbach, Dr. Christian Konhäuser, mit Nachdruck. Von der Idee, Menschen als ehrenamtliche Schlaganfall-Helfer zu gewinnen, ist er begeistert. Dr. Konhäuser weiß, wie sehr diese Menschen gebraucht werden. "Von 2000 Patienten, die in der Neurologie am Klinikum Kulmbach behandelt werden, haben 500, das ist ein Viertel all unserer Patienten, einen Schlaganfall erlitten", macht Konhäuser deutlich, wie weit verbreitet diese Krankheit ist. Die Zahl der Schlaganfallpatienten steige dabei immer weiter an. Unter anderem sei das eine Folge der demographischen Entwicklung.

Die Akutversorgung in einer sogenannten Stroke-Unit, wie sie das Klinikum Kulmbach betreibt, sei hervorragend. Auch in den Reha-Einrichtungen werde hochqualifizierte Arbeit geleistet. "Aber es kommt auch darauf an, dass es nach der Entlassung aus diesen Einrichtungen weitergeht. Wenn die Patienten wieder nach Hause kommen, sind meist auch die Angehörigen sehr eingebunden und müssen mit der neuen Situation zurechtkommen. Hier bietet die Schlaganfall-Helferausbildung sehr viel an."

Wer sich ehrenamtlich in diesem Bereich engagieren möchte, kann bei der Diakonie zum Schlaganfall-Helfer ausgebildet werden. "Wir bieten regelmäßigen Austausch unter fachlicher Anleitung, Fortbildung und bei Bedarf Supervision", informiert Pia Schmidt. Ein erstes unverbindliches Treffen zum Kennenlernen und Informationsaustausch findet am Montag, 10. Dezember, um 15 Uhr im Café in der Seniorenwohnanlage Mainpark am Schwedensteg 8 in Kulmbach statt. Aus organisatorischen Gründen ist eine Anmeldung erwünscht. Pia Schmidt freut sich darauf, Anrufe unter 09221/6057773 zu erhalten. "Die ersten Anmeldungen haben wir schon."

    
    

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