» zur Übersicht Landkreis Kulmbach
    
Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text   


Hoffnung und Trost geben

Jede Woche besuchen sie ehrenamtlich Menschen am Krankenbett und bieten ihre Zeit und ein Gespräch an. Dafür wurde der Besuchdienst am Klinikum jetzt vom Bischof geehrt.

Mit dem Ehrenamtspreis des Erzbistums Bamberg sind die Mitglieder des Besuchsdienstes am Klinikum Kulmbach von Erzbischof Ludwig schick ausgezeichnet worden. Die Aufnahme zeigt die Gruppe mit Seelsorger Marc May (hinten, Dritter von rechts), Gruppenleiterin Michaela Hildner (vorne, Dritte von rechts) und Erzbischof Ludwig Schick, der den Preis persönlich bei einer Feierstunde übergab.  

Jede Woche besuchen sie ehrenamtlich Menschen am Krankenbett und bieten ihre Zeit und ein Gespräch an. Dafür wurde der Besuchdienst am Klinikum jetzt vom Bischof geehrt.

SEELSORGER SCHULEN

Wer beim Besuchsdienst mitmachen will, kann sich mit den Klinikseelsorgern in Verbindung setzen und muss sich zu einer Schulung bereiterklären, die die hauptamtlichen Seelsorger, Pastroralreferent Marc May und die beiden Pfarrer Christian Schmidt aus Kirchleus und Michael Müller aus Peesten anbieten. Unter anderem geht es dabei darum zu lernen, wie man Gespräche führt. Einmal in der Woche nehmen sich die Mitglieder des Besuchskreises Zeit, auf Patienten zuzugehen. Jedem ist dabei eine feste Station zugeteilt. Die Gruppe und die Seelsorger treffen sich auch regelmäßig, um sich auszutauschen.


KULMBACH Erzbischof Ludwig Schick hat die Bedeutung des Ehrenamts für Kirche und Gesellschaft betont und dafür 17 Gruppen aus dem Gebiet des Erzbistums Bamberg für ihr herausragendes ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet. Unter ihnen waren auch die rund 20 Mitglieder des ökumenischen Besuchsdiensts am Klinikum Kulmbach. Seit Jahren macht diese Gruppe Besuche an Krankenbetten, bietet Gespräche mit lockerem Ton ebenso an wie solche mit "Tiefgang" und kommt mit dem, was sie tut, sehr gut an. "Eine höchst aktive Gruppe" unterstütze die hauptamtliche Klinikseelsorge, sagt der katholische Pastoralreferent Marc May, der zusammen mit seinen evangelischen Kollegen Christian Schmidt und Michael Müller auch den Besuchsdienst begleitet und die Mitglieder schult. Marc May weiß um die Bedeutung dieses ehrenamtlichen Einsatzes: "Als Hauptamtliche allein könnten wir die Präsenz im Haus gar nicht gewährleisten. Zusammen mit unseren ehrenamtlichen Helfern erreichen wir viele Menschen mit Hoffnung und Trost", erklärt er.

Wer sich in der Kirche ehrenamtlich engagiere, verwirkliche sein Christsein, das ihm in der Taufe und Firmung geschenkt wurde, und lasse seine Charismen fruchtbar werden für seine Mitmenschen, betonte Erzbischof Ludwig Schick bei der Feierstunde zur Verleihung des Ehrenamtspreises im Bamberger Bistumshaus. "Der großartige Einsatz der freiwilligen Helfer ist ein wertvoller Bestandteil des kirchlichen Lebens, der die Freude am Glauben weiterträgt und ein sichtbares Zeichen der Gottes- und der Nächstenliebe in der Gesellschaft", sagte der Erzbischof. Sein Fazit: "Deshalb müssen wir das Ehrenamt in Ehre halten." Die Ehrenamtlichen sollten es als Ehre betrachten, sich für die Ehre Gottes und das Heil der Menschen einsetzen zu können.

Michaela Hildner aus Ludwigschorgast leitet den Kulmbacher Klinik-Besuchsdienst. Seit elf Jahren ist sie nun schon dabei und will eigentlich gar nicht im Mittelpunkt stehen. Trotzdem räumt sie ein: "Natürlich war das etwas Besonderes für uns, vom Bischof geehrt zu werden." Die Tätigkeit, wildfremde Menschen an ihren Krankenbetten aufzusuchen und ihnen ein Gespräch anzubieten, mache ihr große Freude, sagt Michaela Hildner. "Viele Krankenhäuser haben so etwas gar nicht. Wir in Kulmbach sind jetzt 23 Personen. Das ist schon enorm."

Sie habe ein Talent, das sie gern nutzt, erklärt Michaela Hildner ihre Motivation, sich speziell auf diesen Gebiet zu betätigen: "Ich gehe gern auf Menschen zu, kann zuhören. Das entspricht mir." Es komme durchaus oft vor, dass sich spontan intensive Gespräche ergeben. "Ich habe es nur wenige Male erlebt, dass ich weggeschickt wurde." Aber auch dafür hat die Ludwigschorgasterin Verständnis. "Manche wollen mit ihren Diagnosen einfach allein sein."

Michaela Hildner ist selbst in der katholischen Kirche aktiv. Aber zu den Kranken kommt sie nicht in erster Linie als Kirchenfrau, sondern als Mensch. Sie spricht, sagt sie, mit Menschen ohne Konfession ebenso wie mit Menschen anderen Glaubens. Die Segnung eine Neugeborenen einer muslimischen Frau bezeichnet sie als eines der intensivsten Erlebnisse, die die sie selbst je hatte. "Dass die Menschen alle gleich sind, ist das, was wir bei diesem Dienst lernen. Alles ist menschlich. Das muss man nicht nur an einer Religion festmachen. Ein Nadelstich fühlt sich bei jedem gleich an."

Die Gespräche mit den Patienten hingegen verlaufen ganz unterschiedlich. Manchmal wechselt man nur ein paar kurze Sätze. Manchmal kommt es aber anders: "Da geht es auch mal richtig in die Tiefe." Jeder Mensch sei spannend, findet Michaela Hildner. Und die Tatsache, dass das Gegenüber gerade im Krankenhaus liege, erleichtere oft den Zugang: "Im Krankenhaus sind die Menschen ursprünglich. Da zählt vieles Äußerliche nicht mehr. Im Krankenhaus-Hemd schauen alle gleich aus."

Manchmal werden die Helfer des Besuchskreises gerufen. Meistens ist es aber so, dass sie einfach durch eine Tür treten und schauen, was sie finden. "Wir wissen ja nicht einmal, ob ein Mann oder eine Frau hinter der Tür ist. Man muss mit dem auskommen, was in einem ist und weiß nie, ob es reicht." Manchmal sei Schlagfertigkeit gefragt, manchmal Humor, oft auch sehr viel Feingefühl. "Wir kennen ja keinen Hintergrund des Patienten. Wir nehmen ihn so, wie er gerade in diesem Moment ist."

Gerade das werde oft von den Besuchten als positiv empfunden. Es gebe keine Vorprägung, keine Schubladen, wie das bei Familienmitgliedern und engen Freunden oft der Fall sei. Manchmal falle es gerade deshalb wohl leichter, jemandem Fremden sein Herz auszuschütten. Was die Patienten den Mitgliedern des Besuchskreises anvertrauen, sei gut aufgehoben, sagt Michaela Hildner: "Wir stehen unter Schweigepflicht."

Es sei der Gruppe keineswegs darum gegangen, einen Preis zu gewinnen, sagt Klinikseelsorger Marc May. "Diese Gruppe tut das, was ihr am Herzen liegt und nicht, weil sie dafür gepriesen werden wollen." Es gehe nicht um Belohnung. Dennoch sei es ein sehr schönes Zeichen, auch einmal einen offiziellen Dank für das ehrenamtliche Engagement zu erhalten. "Zu sehen, dass die Tätigkeit auch außerhalb wahrgenommen wird, freut alle, auch wenn das nicht im Vordergrund steht."

Alle, die im Besuchskreis mitarbeiten, seien gestandene Leute, sagt Marc May. Männer und Frauen ganz unterschiedlichen Alters. Manche gehen noch zur Arbeit, andere sind im Ruhestand. Einmal in der Woche nehmen sie sich Zeit, die ihnen fest zugewiesenen Stationen aufzusuchen. "Es kommt gut an2, weiß auch Mark May. Er erzählt von Menschen, die länger im Krankenhaus sind, aber nie Besuch erhalten. "Oder sie bekommen Pflichtbesuche, bei denen nicht wirklich gesprochen wird. Dabei wollen viele eigentlich erzählen, wie es ihnen geht, welche Gedanken sie gerade hegen, wünschen sich ein offenes Wort."

Das, sagt Marc May, bietet ihnen der Besuchskreis an. "Sie drängen sich nicht auf, sondern gehen sensibel auf die Patienten zu." Manchmal werden die Besucher schon erwartet, vor allem wenn Patienten länger im Krankenhaus sind. Über Glaubensfragen wird geredet, wenn das Gegenüber das wünscht. Man kann es aber auch lassen. "Es geht nicht darum, zu missionieren, sondern ein Kontaktangebot zu unterbreiten und, wenn gewollt, ein Gespräch."

    
    

Diesen Artikel

    
    

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

aufgrund der Corona-Krise mit ihren schlimmen wirtschaftlichen Auswirkungen – auch für unsere Verlagsgruppe – wird die Mittwochsausgabe des BLICKPUNKTs eingestellt.
Am Wochenende werden Sie aber – wie gewohnt – auch weiterhin einen BLICKPUNKT in Ihrem Briefkasten finden.

Vielen Dank für Ihr Verständnis!


Blickpunkt-Ausgaben vom 08.08.2020

    
    

Online-Anzeigenannahme

Möchten Sie eine Anzeige aufgeben?

Hier können Sie bequem Ihre Anzeige verfassen:

»Anzeige online aufgeben

Alternativ erreichen Sie unsere Anzeigenannahme telefonisch unter der Service-Hotline 09281/1802042 oder per Fax unter 09281/816-148.

    
    

Mediadaten 

Die gesamte Preisliste mit Preisen für Kombi-/ Einzelausgaben, Farbanzeigen und viele weitere Informationen wie Verbreitungsgebiet und Erscheinungsweise finden Sie hier. »mehr
    
 
OK

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter » Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.