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Pathologie rückt nah ans Krankenbett

Professor Dr. Andreas Gschwendtner ist der neue Leitende Arzt am Institut für Pathologie am Klinikum Kulmbach. Er ist ein international renommierter Spezialist für Lungenerkrankungen.

Professor Dr. Andreas Gschwendtner (Zweiter von rechts) ist der neue Leitende Arzt am Institut für Pathologie. Oberbürgermeister Henry Schramm (von links), Geschäftsführerin Brigitte Angermann und Landrat Klaus Peter Söllner freuen sich, einen international renommierten Spezialisten für das Klinikum gewonnen zu haben.  

Professor Dr. Andreas Gschwendtner ist der neue Leitende Arzt am Institut für Pathologie am Klinikum Kulmbach. Er ist ein international renommierter Spezialist für Lungenerkrankungen.

ZUR PERSON

Professor Dr. Andreas Gschwendtner (55), ist in Kufstein aufgewachsen und hat in Innsbruck Medizin studiert. Er war Arzt am Institut für Pathologische Anatomie der Universität Innsbruck und hat dort die Zuerkennungen des Facharztdiploms für Pathologie und Zytodiagnostik erworben.

Im Oktober 2000 wurde ihm der Amtstitel Außerordentlicher Universitätsprofessor durch das österreichische Bundesministerium für Wissenschaft und Kunst verliehen. Professor Gschwendtner war Chefarzt des Instituts für Pathologie, Zytologie und Molekulare Diagnostik am Klinikum Coburg und Chefarzt des Instituts für Pathologie am Caritas-Krankenhaus Bad Mergentheim. 2008 erfolgte die Umhabilitierung auf die Universität Würzburg mit Verleihung der außerplanmäßigen Professur.

Professor Gschwendtner hat zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten international veröffentlicht. Er ist Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Pathologie - Arbeitsgruppe Pneumopathologie, der Österreichischen Gesellschaft für Pathologie sowie der Internationalen Akademie für Pathologie.


KULMBACH Die Pathologie, sagt Professor Dr. Andreas Gschwendtner, ist heute die zentrale diagnostische Leistung in der Onkologie. Im Zeitalter der zielgerichteten, individuellen Therapie rücke dieses Fach immer näher direkt ans Krankenbett. Während die Pathologie früher ein eher verstecktes Fach war, werde sie heute viel mehr als eine klinische Abteilung von großer Bedeutung gesehen. "Wir entscheiden mit, wenn es um die Therapie geht. Deswegen sollte jeder Patient wissen, wer sich um ihn kümmert." Der 55-jährige Facharzt für Pathologie und Zytodiagnostik ist vom 1. Juli an der neue Leitende Arzt am Institut für Pathologie des Klinikums Kulmbachs. Er bringt nicht nur Wissen aus dem gesamten Spektrum seines Fachgebiets mit nach Kulmbach, sondern auch seine umfangreiche Erfahrung im Bereich der Lungenerkrankungen.

Therapie steuern

Professor Gschwendtner bedauert, dass auch heute noch viele Menschen nicht um die Bedeutung der Pathologie wissen. Die Pathologen sind regelmäßig in allen Tumorkonferenzen vertreten. Das, sagt der neue Leitende Arzt, ist unverzichtbar. "Letztlich steuern wir die Therapie, weil wir die Befunde interpretieren." Die Diagnose habe bedeutende Konsequenzen. Das, betont Professor Gschwendtner, müsse der Pathologe für den Kliniker fassbar machen, damit die richtige Therapie gefunden werden kann. "Die moderne Onkologie ist ohne die Pathologie nicht möglich."

Lange Zeit war Gschwendtner an der Uniklinik in Innsbruck tätig, eine der drei großen österreichischen Kliniken mit einem Lungentransplantationsprogramm. Lungenerkrankungen sind sein Spezialgebiet geworden. In Wien, dem größten Lungentransplantationszentrum der Welt, hat er seine Kenntnisse auf dem Gebiet der Lungendiagnostik erworben. Mit dem Transplantationszentrum in Innsbruck ist Gschwendtner bis heute verbunden und wird es auch bleiben.

Aus Innsbruck werden künftig mit Hilfe der Telemedizin Biopsie-Befunde zur Kontrolldiagnostik nach Kulmbach geschickt. Moderne Technik macht es möglich, dass nicht mehr die physischen Proben für die Befundung benötigt werden. "Unser Fach hat sich sehr modernisiert", erklärt Gschwendtner. "Präparate werden heute mit digitalen Mikroskopen gescannt, die telepathologischen Schnitte können dann in kürzester Zeit über das Internet versendet und bearbeitet werden. Die digitalen Bilder kommen in allerhöchster Auflösung. So können wir auch aus der Ferne den Fall mikroskopieren."

Seit vielen Jahren lebt Gschwendtner in Franken. Seine Frau ist Pneumologin, hat in Nürnberg eine Praxis. In der Region Oberfranken fühlt sich der Pathologe besonders wohl. Mehr als zehn Jahre hat er als leitender Pathologe am Klinikum Coburg gearbeitet. Auch dem Klinikum Kulmbach ist er bereits seit Jahren verbunden. Das Haus hat er über den Leitenden Arzt der Pneumologie, Dr. Joseph Alhanna, kennengelernt. Für die Kulmbacher Lungenspezialisten war Gschwendtner schon in der Vergangenheit als Konsiliararzt im Bereich der Lungendiagnostik tätig.

"Als ich gehört habe, dass in Kulmbach ein neuer Institutsleiter gesucht wird, habe ich gern die Chance ergriffen", sagt Gschwendtner.

Nur etwa 2000 Pathologen gibt es in Deutschland, in Österreich sind es nur rund 200, sagt Gschwendtner. "In der österreichischen Gesellschaft kennen wir uns alle persönlich, passen in einen Raum." Das Nachwuchsproblem in diesem Fachbereich macht dem Mediziner Sorgen. "Die Pathologie ist ein Fach, das man sich nicht so einfach aneignet. Nach dem Medizinstudium ist man extrem gut ausgebildet, jemanden zu versorgen, mit Menschen umzugehen, Notfälle zu beherrschen. Wer sich für die Pathologie entscheidet, braucht all das nicht mehr. Man fängt wieder ganz von vorne an. Das Medizinstudium ist dann nur der Anfang von allem.

Als Pathologe braucht man ein ganz anderes Repertoire." Sechs Jahre dauere das Studium, weitere sechs Jahre die Facharztausbildung. "Und dann nochmal zwölf Jahre, bis man in dem Fach wirklich bewandert ist." Diese unglaublich lange Zeit schrecke viele ab. "Das ist ein unheimlich langer Entwicklungsweg, den man da geht." Gleichzeitig wachsen, wie Gschwendtner erklärt, die Anforderungen. Dass es neue Technik ermöglicht, moderne Konsultationsverfahren zu nutzen, sei da ausgesprochen hilfreich.

Auch die Pathologie am Klinikum Kulmbach arbeite schon lang mit benachbarten Kliniken und niedergelassenen Ärzten im Bereich der Diagnostik zusammen In Spezialfällen gebe es auch Kooperationen mit überregionalem Einzug. Schon deshalb, weil es so wenige Pathologen gibt, seien diese überregionalen und internationalen Verbindungen wichtig, betont Professor Gschwendtner.

Ein Fachmann

Landrat Klaus Peter Söllner, Vorsitzender des Zweckverbands Klinikum Kulmbach, betont, mit der Anstellung von Professor Gschwendtner sei es gelungen, die bereits sehr erfolgreich arbeitende Klinik für Pneumologie und das neu gegründete Thoraxzentrum durch einen sehr wichtigen Baustein zu ergänzen. Das Klinikum habe sich bereits auf dem Gebiet der Lungenheilkunde einen guten Namen auch außerhalb Kulmbachs geschaffen.

Dass nun auch die Pathologie mit einem ausgewiesenen Fachmann auf diesem Gebiet verstärkt werden konnte, sieht auch Oberbürgermeister Henry Schramm, stellvertretender Vorsitzender des Zweckverbands, als einen weiteren wichtigen Meilenstein, das Klinikum weiter zukunftsfähig aufzustellen. Mit der Pneumologie und dem Thoraxzentrum habe man in Kulmbach bedeutende, aufstrebende Fachabteilungen etabliert. Professor Gschwendtner sei eine sehr gute und wichtige Verstärkung für das Haus. "Ich bin dankbar, dass er sich für uns entschieden hat."

Geschäftsführerin Brigitte Angermann freut sich ebenfalls, dass es gelungen ist, einen ausgewiesenen Spezialisten ans Haus zu holen. "Professor Gschwendtner deckt nicht nur das gesamte Spektrum der Pathologie ab, sondern bietet mit seinem Spezialwissen im Bereich der Lungenerkrankungen ein Alleinstellungsmerkmal in ganz Oberfranken." Zusammen mit Leitender Oberärztin Dr. Irina Dostler, Oberarzt Dr. Roland Schatz und dem Konsiliararzt Professor Dr. Dr. Manfred Stolte sei ein sehr gutes Team in der Pathologie des Klinikums tätig.

    
    

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