» zur Übersicht Landkreis Kulmbach
    
Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text   


Weniger Geld, die gleichen Sorgen

Die gute Nachricht: Die Zahl der Hartz IV-Empfänger in Kulmbach ist so niedrig wie lang nicht mehr. Die schlechte: Für die Verbliebenen gibt es weniger Unterstützung.

Die Zahl der Menschen, die auf Hartz IV angewiesen sind, ist auch in Kulmbach deutlich gesunken. Das erfuhren SPD-Politiker bei einem Besuch in der Behörde. Im Gespräch waren (von links): SPD-Ortsvereinsvorsitzender Ingo Lehmann, Landtagsvizepräsidentin Inge Aures, Stadtrat Matthias Meußgeyer, Josef Kinscher und Norbert Halbhuber vom Jobcenter sowie die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Angelika Weikert sowie Helmut Schwenk vom Jobcenter.  

Die gute Nachricht: Die Zahl der Hartz IV-Empfänger in Kulmbach ist so niedrig wie lang nicht mehr. Die schlechte: Für die Verbliebenen gibt es weniger Unterstützung.

KULMBACH Wenn, wie seit einigen Jahren, die Arbeitslosenquoten niedrig sind, wenden sich die Blicke ab von denen, die aus irgendwelchen Gründen durch die Maschen gefallen sind. Doch wenn es auch derzeit "nur" 700 Menschen sind, die momentan vom Kulmbacher Jobcenter betreut und unterstützt werden: Auch für sie wollen Geschäftsführer Norbert Halbhuber und sein Team nach Möglichkeiten eine Arbeit finden. Das ist alles andere als einfach, denn viele dieser Menschen müssen erst einige Hürden überwinden, bevor sie in der Lage sind, ihr Einkommen wieder aus eigener Kraft zu verdienen. Über den aktuellen Stand im Jobcenter, über die Arbeit dort und über die Sorgen und Nöte der Behörde haben sich SPD-Politiker mit der arbeitsmarktpolitischen Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Angelika Weikert, und Landtagsvizepräsidentin Inge Aures mit der Führungsmannschaft des Jobcenters unterhalten. Was die Gäste vor allem mitnehmen konnten: Dem Kulmbacher Jobcenter drohen im kommenden Jahr Budgetkürzungen. Das macht der Einrichtung Kopfschmerzen. "Die Finanzausstattung der Jobcenter wird in Bayern ein Thema werden. Wir brauchen Geld", machte Norbert Halbhuber gegenüber seinen Gästen deutlich.

Es ist ein Wortungetüm, das hinter diesen für das Jobcenter Kulmbach negativen wirtschaftlichen Auswirkungen steckt: "Problemdruckindikator". Der Hintergrund dieses Begriffs macht den Kulmbachern Probleme. Kulmbach ist kein Brennpunkt, wie beispielsweise die Stadt Hof seit einiger Zeit. Mit Hilfe des "Problemdruckindikators" fließt mehr Geld nach Hof. Geld, das unter anderem in Kulmbach abgezogen wird. Damit wird, wenn die Planungen für das Budget im kommenden Jahr so bleiben, das Kulmbacher Jobcenter weniger Möglichkeiten haben, seine Klienten wieder in Arbeit zu bringen. Zusammen mit der Tatsache, dass auch ein Förderprogramm Ende dieses Jahres ausläuft, mit dessen Hilfe immerhin 25 Menschen nach teilweise fünfjähriger Arbeitslosigkeit wieder Arbeit gefunden haben, sind die Aussichten nicht gut. Aus Sicht von Norbert Halbhuber gibt es einen Weg aus der Misere: "Wir brauchen wieder einen zweiten und dritten Arbeitsmarkt, also öffentlich geförderte Arbeit."

Nicht alle ohne Job

Eindrucksvolle Zahlen legte das Jobcenter den sozialdemokratischen Politikern vor. Die Zahl der Arbeitslosen aus dem Bereich SGB II lag 2008 schon einmal bei knapp 1600. Jetzt sind es noch genau 700 Personen. Tatsächlich über das Jobcenter finanziert werden aber viel mehr Menschen, derzeit 1370. Nicht alle gelten als arbeitslos: Aufstocker sind darunter, ebenso wie alleinerziehende Mütter mit noch sehr kleinen Kindern, Flüchtlinge, die Integrationskurse besuchen oder auch Schüler unter 15 Jahren.

Flüchtlinge machen auch in Kulmbach inzwischen einen großen Anteil der beim Jobcenter gelisteten Menschen aus. 17,3 Prozent aller Leistungsbezieher haben einen Migrationshintergrund. 184 Bedarfsgemeinschaften mit insgesamt 507 Menschen werden geführt. 111 Personen davon sind arbeitslos gemeldet.

Die Zahl der anerkannten Flüchtlinge, die vom Kulmbacher Jobcenter betreut werden, hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert, berichtete Norbert Halbhuber. 2016 waren es 234, 2017 sind es 327. Jetzt beginnt diese Zahl zu stagnieren. Der Grund liegt auf der Hand. Viele Asylanträge der bereits in Kulmbach untergebrachten Menschen sind bearbeitet. Neue Flüchtlinge kommen kaum mehr nach.

Viele Flüchtlinge

Die Flüchtlinge stellen unter den ausländischen Kunden im Jobcenter Kulmbach die größte Gruppe dar. Aber auch Bürger aus EU-Ländern sind darunter. Die Gruppe der Ausländer setzt sich wie folgt zusammen: 212 kommen aus Syrien, je 42 aus dem Irak und der Türkei, 37 aus Afghanistan, 27 aus Italien, 21 aus Eritrea, 15 aus dem Iran, neun aus Polen, neun aus der Russischen Förderation, acht aus Kasachstan und acht aus Somalia. Die Bereitschaft, Flüchtlinge anzustellen, ist in den Kulmbacher Unternehmen durchaus vorhanden. Mehr als 40 Flüchtlinge fanden in diesem Jahr einen Arbeitsplatz. Das Problem: Meist sind diese Menschen nur gering qualifiziert. Entsprechend groß ist der Anteil an sogenannten "Helferjobs". Für das Jobcenter ist diese Personengruppe deswegen eine besondere Herausforderung.

Der und den vielen anderen Aufgaben stellt sich das Jobcenter mit einem Team von rund 50 Mitarbeitern, die aufgrund gesetzlicher Grundlagen unterschiedliche Arbeitgeber haben. Zwölf Mitarbeiter sind beim Landkreis beschäftigt, 37 bei der Agentur für Arbeit, zwei gelten als "Amtshilfe".

Auch für die Mitarbeiter des Jobcenters selbst gilt es noch, Lösungen zu finden, unter anderem betrifft das die Frage der Entlohnung. Obwohl alle in der selben "Firma" arbeiten, erhalten sie aufgrund ihrer unterschiedlichen Arbeitgeber auch unterschiedliche Löhne. Seit zehn Jahren, informierte Norbert Halbhuber seine Gäste, sei es nicht gelungen, für die Jobcenter einheitliche Tarife zu finden.

    
    

Diesen Artikel

    
    

Online-Anzeigenannahme

Möchten Sie eine Anzeige aufgeben?

Hier können Sie bequem Ihre Anzeige verfassen:

»Anzeige online aufgeben

Alternativ erreichen Sie unsere Anzeigenannahme telefonisch unter der Service-Hotline 09281/1802042 oder per Fax unter 09281/816-148.

    
    

aktuelle Verlagsbeilagen

Unsere Heimat
Bauen und Wohnen
Biergartenzeitung
Fahrspaß im Frühling - Ausgabe Hof + Rehau
    
    

Anrufen und verlieben 

Sie suchen einen netten Partner oder die große Liebe? Dann sind Sie bei amio Singlesuche genau richtig! »mehr
    
    

Mediadaten 

Die gesamte Preisliste mit Preisen für Kombi-/ Einzelausgaben, Farbanzeigen und viele weitere Informationen wie Verbreitungsgebiet und Erscheinungsweise finden Sie hier. »mehr