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Frida lässt Patienten strahlen

In der Palliativmedizin am Sana-Klinikum Hof setzt man seit fast einem Jahr auf so genannte tiergestützte Therapie. Goldendoodle Frida bringt Freude in die Patientenzimmer.

Gruppenbild mit Therapiehündin Frida: Therapeutin Birgit Cronenberg und Dr. Silke Pietsch, Sektionsleiterin der Palliativstation, (von links) sind froh, dass sie dank der Hundedame einen Zugang zu Patientin Anna-Maria Grimm (rechts) gefunden haben, der es jetzt wieder viel besser geht.  

In der Palliativmedizin am Sana-Klinikum Hof setzt man seit fast einem Jahr auf so genannte tiergestützte Therapie. Goldendoodle Frida bringt Freude in die Patientenzimmer.

HOF Eigentlich dachte Anna-Maria Grimm, Patientin der Palliativstation am Sana-Klinikum Hof, dass sie nun nicht mehr viel Zeit hätte. Mit einer unklaren Bauchschwellung wurde sie in die Klinik eingeliefert. Zwei Tumordiagnosen standen im Raum. "Mein Bauch tat mir sehr weh, ich wollte nur noch einschlafen." Untersucht werden wollte sie nicht mehr und eigentlich auch nicht viel reden. "Oftmals ist es schwierig, einen Zugang zu Patienten zu finden, die sich in einer aussichtslosen Lebenslage befinden. Hier ist viel Fingerspitzengefühl gefragt - vor allem, wenn man weiß, dass eine Untersuchung und entsprechende Behandlungen, die Lebensqualität der Patienten durchaus verbessern können", sagt Dr. Silke Pietsch, Sektionsleiterin der Palliativstation. Gemeinsam mit Therapeutin Birgit Cronenberg ging sie deshalb auf eine neue Art und Weise auf die Patientin zu.

Die 80-jährige Hoferin lag in ihrem Patientenzimmer, als die Tür aufging, Birgit Cronenberg hereinkam und eine weiße Decke in eine Ecke des Zimmers legte. "Ich dachte: Nanu - bringt sie heute ein Baby mit ?", erzählt die ältere Dame. Aber nein, weit gefehlt: "Plötzlich tapste auf samtweichen großen Pfoten Frida ins Zimmer. Sie kam zu meinem Bett, blickte mich aus ihren warmen dunkelbraunen Augen an - und schon war es um mich geschehen." Anna-Maria Grimm, die bislang Angst vor Hunden hatte, konnte es kaum fassen. Mit leuchtenden Augen und einem seligen Lächeln im Gesicht sagt sie: "Es war Liebe auf den ersten Blick, wie bei meinem Mann vor 52 Jahren im Tanzsaal."

Frida, die zweijährige Goldendoodle-Hundedame, kommt seit Ende vergangenen Jahres jeden Dienstag auf die Palliativstation im Sana-Klinikum. Wie ein kuscheliges weißes Schaf sieht sie aus, liegt brav auf ihrer Decke. Kontakt zum Patienten nimmt sie erst auf, wenn Birgit Cronenberg es ihr erlaubt. Die tiergestützte Therapie ist ein komplementäres Behandlungsverfahren, bei dem der psychologische Effekt im Vordergrund steht. Sie zielt im Wesentlichen auf die Lebensqualität von Menschen mit stark einschränkenden und leidvollen Symptomen ab. Im Allgemeinen hat sie die Verbesserung des Wohlbefindens, die Schmerz- und Angstreduktion und die Kommunikationsförderung zum Ziel.

"Die tiergestützte Therapie bietet dem Patienten die Möglichkeit, in einem geschützten Rahmen, Wertschätzung und Selbstwirksamkeit zu erfahren", erklärt Birgit Cronenberg. Die ausgebildete Psychologin schätzt die Anwesenheit des Hundes - durch ihn wird eine entspannte und beruhigende Atmosphäre geschaffen. "Man kommt über den Hund ins Gespräch, deckt Ressourcen auf und kann diese aktivieren. Er dient sozusagen als vermittelndes Medium zwischen Patient und Psychologin - auch die Angehörigen lassen sich so leichter in den Krankheitsverlauf einbinden."

In puncto Hygiene gibt es keinen Grund zur Sorge - Frida ist geimpft und darf nur über die Terrasse die Palliativstation betreten. Die tiergestützte Therapie im palliativmedizinischen Kontext steht unter dem Leitgedanken der Hospizidee nach einem Zitat von Cicely Saunders: "Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu schenken, sondern den Tagen mehr Leben."

Sektionsleiterin Dr. Silke Pietsch ist jedenfalls sehr dankbar über das neue Therapieangebot, das ihren Patienten zugute kommt. "Wir verstehen unsere Palliativstation als einen Ort zum Leben. Wir behandeln Patienten mit unheilbaren, lebensbedrohlichen Erkrankungen, die eine schwere Symptomlast haben. In unserer ganzheitlichen Arbeit ist es uns wichtig, Beschwerden und Probleme zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern." Dazu gehöre auch, die Menschen im Umgang mit der veränderten Lebenssituation zu unterstützen. "Unser Ziel ist es, dass unsere Patienten nach Möglichkeit in ihre häusliche Umgebung zurückkehren können. Die Station ist aber auch ein Ort, an dem, wenn dafür die Zeit gekommen ist, Sterben zugelassen wird", sagt Dr. Pietsch.

Im Fall von Anna-Maria Grimm konnte durch die Begegnung mit Frida ein Zugang zur Patientin gefunden werden. Nach eingehender Untersuchung wurde festgestellt, dass durch eine OP nicht nur ihre Lebensqualität verbessert, sondern auch ihre Lebenserwartung von ein paar Monaten auf voraussichtlich mehrere Jahre verlängert werden konnte. Über die Begegnung mit Frida ist Anna-Maria Grimm überglücklich. "Da musste ich erst 80 Jahre werden, um so etwas zu erleben." Heute sei sie sehr froh, den Rat der Ärzte zu einer OP angenommen zu haben.

    
    

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