» zur Übersicht Landkreis Hof
    
Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text   


Nachlässigkeit kann teuer werden

Die neue Datenschutz-Grundverordnung der EU betrifft auch die Vereine, die Verunsicherung ist groß. Im Landratsamt informiert ein Rechtsanwalt Vereinsvertreter darüber, worauf sie tatsächlich achten müssen. Der Experte warnt davor, das Thema nicht ernst zu nehmen.

Sandra Hüttner
120 Vertreter von Vereinen und Organisationen nutzten das Angebot und kamen zum Vortrag "Herausforderung Datenschutz - ist ihr Verein für die neue Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) bereit ?" ins Hofer Landratsamt. Das Koordinierungszentrum Bürgerliches Engagement hatte zu dieser Veranstaltung eingeladen.   » zu den Bildern

Die neue Datenschutz-Grundverordnung der EU betrifft auch die Vereine, die Verunsicherung ist groß. Im Landratsamt informiert ein Rechtsanwalt Vereinsvertreter darüber, worauf sie tatsächlich achten müssen. Der Experte warnt davor, das Thema nicht ernst zu nehmen.

DAS WICHTIGSTE AUF EINEN BLICK

Der Referent gab praktische Tipps zur Umsetzung der DSGVO:

- Verwendung von personenbezogenen Daten nur für vereinsinterne Zwecke und gemäß der Vereinssatzung;

- keine Datenweitergabe an Dritte, es sei denn, die schriftliche Einwilligung der betroffenen Person liegt vor;

- den internen Zugriff auf personenbezogene Daten beschränken und für Sicherheitsstandards sorgen;

- wenn nötig einen Datenschutzbeauftragten bestellen;

- Erstellen eine Verarbeitungsverzeichnisses;

- Überarbeitung der Einwilligungserklärungen gemäß der DSGVO sowie Prüfung und Sicherung der technisch-organisatorischen Maßnahmen

Das "Koordinierungszentrum Bürgerschaftliches Engagement - KoBE" ist die zentrale Anlaufstelle im Landratsamt für Fragen rund um das Ehrenamt und sieht sich als Partner für die Unterstützung des bürgerschaftlichen Engagements im Landkreis Hof. Hier kann man Fragen, Ideen und Anregungen rund um das Ehrenamt stellen und einbringen. Ansprechpartner sind Heiner Wolf, Andrea Kießling und Margot Pöhner. Sie geben Hilfe und Auskunft zu allen Fragen wie Recht und Versicherung rund um das Ehrenamt, organisieren Schulungen wie beispielsweise die "Vereinsschule" und helfen beim Aufbau ehrenamtlicher Strukturen wie aktuell beim Projekt der organisierten Nachbarschaftshilfe in Selbitz.

Weitere Informationen gibt's unter www.kobe-lkr-hof.de.


von Sandra Hüttner

HOF Noch immer kommen Vereinsvertreter und schnell werden noch Stühle herbeigeschafft. Der Sitzungssaal im Landratsamt Hof ist proppenvoll, denn das Thema "Herausforderung Datenschutz - ist ihr Verein für die neue Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) bereit ?" brennt den Vereinsvertretern unter den Nägeln. Das Koordinierungszentrum Bürgerliches Engagement (KoBE) hatte zur ersten Veranstaltung der Vereinsschule eingeladen, gemeinsam mit der Hanns Seidel Stiftung. Als Referent war Rechtsanwalt Jens Bernsdorf aus Bayreuth vor Ort, der informativ und verständlich die Neuerungen mit dem Inkrafttreten der DSGVO am 25. Mai erläuterte und an Beispielen verdeutlichte.

Landrat Dr. Oliver Bär meinte zur Begrüßung schmunzelnd und ironisch, dass sicherlich alle Vereine auf die DSGVO gewartet hätten. "Dass die persönlichen Daten eines jeden Einzelnen geschützt werden müssen, steht wohl außer Frage, aber diese Form und für alle Bereiche, das lässt zweifeln und ich persönlich hätte mir eine andere Vorgehensweise gewünscht." Landrat Dr. Bär unterstrich die positiven Faktoren von Europa, fand es aber schade, dass dieses Bild in dem Fall nicht so weitergetragen werde, wie es sein sollte. Der Landkreischef dankte allen Vereinsfunktionären für ihr ehrenamtliches Engagement und versicherte bestmögliche Unterstützung. "Aber leider können wir ihnen natürlich nicht alles abnehmen."

Ein Imagefilm gab den 120 Vertretern aus den Vereinen und Organisationen, die sich auf das Angebot KoBE im vergangenen Jahr registriert haben, einen Einblick in das Tun und Wirken der Hanns Seidel Stiftung. Regionalbeauftragte Sabine Habla unterstrich, dass die Anwendung der DSGVO alle betreffe, nicht nur Unternehmen, sondern auch die Vereine. Die Veranstaltung soll diesen deshalb entsprechendes Werkzeug an die Hand geben.

Rechtsanwalt Jens Bernsdorf merkte gleich zu Beginn an, dass zwar die Politiker versuchen wollen, den Abmahnanwälten und -vereinen Einhalt zu gebieten, man sich darauf aber lieber nicht verlassen sollte. "Europäisches Recht geht vor, deshalb sollten Sie darauf achten und die Vorschriften einhalten." Als wichtigsten Punkt nannte der Referent die Bestellung eines Datenschutzbeauftragten. Diese Aufgabe könne durchaus eine Person aus dem Verein übernehmen, das sollte aber nicht der Webmaster oder ein Vorstandsmitglied sein. "Notwendig ist ein Datenschutzbeauftragter im Verein, wenn mindestens zehn Personen regelmäßig die Daten be- und verarbeiten, aber das ist nicht neu, nur das jetzt mögliche Bußgeld", informierte der Referent.

Er machte auf die Neuregelung und damit die Notwendigkeit aufmerksam, ein so genanntes Verarbeitungsverzeichnis anzulegen. "Muster gibt es dafür im Internet und legen sie nicht erst eines an, wenn sie zur Vorlage aufgefordert werden", mahnte der Rechtsanwalt. Die Sicherheit der Daten müsse stets gewährleistet sein: "Diese dürfen nicht in falsche Hände geraten, je wichtiger die Daten, desto höher die Maßstäbe", erklärte er. Beispielsweise seien die Daten eines Sportvereins nicht so "dramatisch" zu sehen sind wie die einer Selbsthilfegruppe für psychisch Kranke.

Bernsdorf erläuterte den Zuhörern außerdem das Recht "auf Vergessen", also das Löschen der Daten unter Berücksichtigung der Aufbewahrungsfristen. Auch die Speicherbegrenzung erklärte der Referent, also die zeitliche Dauer der Speicherung. Man sollte sich überlegen, wie wichtig oder historisch wertvoll beispielsweise alte Wettkampfergebnisse sind. "Grundsätzlich muss man nicht alles wissen, was für 50 Jahren war." Er riet dazu, Widerrufe einfach zu gestalten und nicht zu vergessen, dass Daten nur für bestimmte Zwecke gespeichert werden dürfen. Ist ein Mitglied ausgetreten, dann müssen die Daten gelöscht werden.

Als schwierig, aber wichtig bezeichnete der Referent die technisch-organisatorischen Maßnahmen, kurz TOM genannt. Hierbei geht es um die Vertraulichkeit, Verfügbarkeit und Belastbarkeit der Daten, aber auch um deren Verschlüsselung und Pseudonominierung sowie die zeitnahe Wiederherstellung der Verfügbarkeit der Daten bei technischen Problemen. "Einfache Maßnahmen sind Passwörter oder Kopien auf anderen Datenträgern", schlug der Referent vor. Das Abspeichern in einer Cloud sieht der Rechtsanwalt als nicht so sicher an.

Weiterhin informierte Rechtsanwalt Jens Bernsdorf die interessierten Zuhörer über die Aufgaben eines Datenschutzbeauftragten und die Bestellung dessen und gab abschließend weitere Informationen und Hinweise, was für die Vereine nun alles zu tun ist.

    
    

Diesen Artikel

    
    

Online-Anzeigenannahme

Möchten Sie eine Anzeige aufgeben?

Hier können Sie bequem Ihre Anzeige verfassen:

»Anzeige online aufgeben

Alternativ erreichen Sie unsere Anzeigenannahme telefonisch unter der Service-Hotline 09281/1802042 oder per Fax unter 09281/816-148.

    
    

Mediadaten 

Die gesamte Preisliste mit Preisen für Kombi-/ Einzelausgaben, Farbanzeigen und viele weitere Informationen wie Verbreitungsgebiet und Erscheinungsweise finden Sie hier. »mehr