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Beim Schlaganfall zählt jede Sekunde

Fast jede Minute erleidet ein Mensch in Deutschland einen Schlaganfall - dann muss es schnell gehen. Die Kliniken Hochfranken stellen auf Einladung der Selbsthilfegruppe Schlaganfallbetroffener die Behandlung der Patienten in der Klinik Münchberg vor.

30 Interessierte besuchten den Fachvortrag der Oberärztin der Hochfranken-Kliniken Münchberg, Dr. Christiane Grimm, im VHS-Raum Naila. Unser Bild zeigt (von links) Oberärztin Christiane Grimm, Walter Benkert von der Selbsthilfegruppe Naila, Bürgermeister Frank Stumpf, Sonja Jahn von der Selbsthilfegruppe Naila sowie Reinhard Herdegen und Gabriele Peetz, die Ansprechpartner der Selbsthilfegruppe Schlaganfallbetroffener Stadt und Landkreis Hof. Foto: Sandra Hüttner   » zu den Bildern

Fast jede Minute erleidet ein Mensch in Deutschland einen Schlaganfall - dann muss es schnell gehen. Die Kliniken Hochfranken stellen auf Einladung der Selbsthilfegruppe Schlaganfallbetroffener die Behandlung der Patienten in der Klinik Münchberg vor.

FAST-TEST

Mit dem so genannten FAST-Test können selbst medizinische Laien typische Schlaganfall-Symptome überprüfen. Die Abkürzung "FAST" steht dabei für Face (Gesicht), Arms (Arme), Speech (Sprache) und Time (Zeit). Im Einzelnen sind damit folgende Aufgaben gemeint: Face - bitten Sie die betroffene Person, zu lächeln; Arms - die betroffene Person soll beide Arme gleichzeitig heben und dabei die Handinnenflächen nach oben drehen; Speech - lassen Sie die betroffenen Person einen einfachen Satz nachsprechen und Time - sollte der Betroffene mit einer dieser Aufgaben Probleme haben, zählt jede Minute. Wählen Sie sofort den Notruf 112 und schildern Sie die Symptome.


von Sandra Hüttner

NAILA "Jährlich gibt es bis zu 250 000 neue Schlaganfälle und 850 000 Betroffene, die nach einem Schlaganfall mit ihrem Leben fertig werden müssen", verlas Bürgermeister Frank Stumpf, im VHS-Raum in Naila vor fast 30 Betroffenen und Angehörigen, die zum Fachvortrag mit dem Thema "Schlaganfallbehandlung in den Kliniken Hochfranken" gekommen waren. Dazu eingeladen hatte die Selbsthilfegruppe Schlaganfallbetroffener Stadt und Landkreis Hof. "Wir sind alle nicht vor irgendwelchen gesundheitlichen Ereignissen gefeit, und deshalb ist es wichtig, zu wissen, wo es Hilfe gibt und wo sich andere Betroffene treffen, um sich untereinander auszutauschen", unterstrich Bürgermeister Stumpf.

Dr. Christiane Grimm, Oberärztin der Hochfranken-Klinik Münchberg, berichtete unter dem Gesichtspunkt "Unser Diagnostik- und Therapiekonzept für Schlaganfallpatienten". Zuvor informierte die Oberärztin, dass die Schlaganfalleinheit in Münchberg zum Schlaganfallnetzwerk mit Telemedizin in Nordbayern (STENO) zählt, bei dem drei überregionale Schlaganfallbehandlungszentren und 18 Kliniken der Regel- und Schwerpunktversorgung in Mittel-, Ober- und Unterfranken, der Oberpfalz und Südthüringen kooperieren. "Wir in Münchberg sind seit 2014 dabei und sozusagen jüngstes Mitglied", erläuterte die Referentin.

An 365 Tagen im Jahr stehen rund um die Uhr erfahrene Neurologen für telemedizinische Konsultationen zur Verfügung. "Über Monitor werden die Spezialisten angerufen und stehen uns mit ihren Erfahrungen zur Seite, wobei die Ärzte vor Ort die Reflexe überprüfen, aber auch Nahaufnahmen dem erfahrenen Neurologen Aufschluss geben." Dr. Grimm unterstreicht, dass ein Schlaganfall schlecht zu erkennen sei. "Bei einem Herzinfarkt geht es dem Patienten richtig schlecht, beim Schlaganfall sind die Symptome nicht leicht zu erkennen, aber eine frühe Behandlung ist notwendig, um heilen zu können."

Das Krankheitsbild Schlaganfall muss bekannter gemacht werden, sind sich die Ärztin und auch die Ansprechpartnerin der 2014 gegründeten Selbsthilfegruppe, Gabriele Peetz, einig. Dr. Christiane Grimm erläuterte dafür den so genannten FAST-Test (siehe Kasten) und merkte an, dass dieser auch von den Rettungssanitätern angewendet wird. "Trifft auch nur eines zu, dann zählt jede Minute. Die Rettungssanitäter rufen bei uns in der Klinik an und dann geht alles ganz schnell." Der Patient kommt an den Überwachungsmonitor, Sauerstoff und Blutdruck sind wichtige Parameter. Ein Bild vom Kopf durch Computertomographie ist unerlässlich, um festzustellen, ob es sich um Minderdurchblutung (Ischämie) oder Blutung im Gehirn handelt. "Zu 85 Prozent handelt es sich um Ischämie", erklärte die Ärztin, wie auch, dass ein Schlaganfall wächst und deshalb Zeit extrem wichtig ist, "um das Rettbare noch zu retten". Nach dem CT wird über Telekonsil mit einem Neurologen entschieden, welche Therapie angewendet wird - zum Beispiel die Gabe eines starken Blutverdünnungsmittels. "Manchmal ist aber auch eine Weiterverlegung notwendig, die dann mit einem Notarzt stattfindet und, je nachdem, mit Krankenwagen oder Hubschrauber."

Die Münchberger Schlaganfalleinheit hat vier Betten, und es gibt eine Monitorüberwachung - je nach Symptomatik zwischen 24 und 72 Stunden. Abschließend stellte die Oberärztin das Team vor, das sich aus einem pflegerischen Kernteam, internistischen Ärzten, neurologischen Konsilärzten von der Klinik "Hohe Warte" in Bayreuth, Physiotherapeuten, Logopäden, Ergotherapeuten und dem Sozialdienst zusammensetzt. "Die Konsilärzte aus Bayreuth kommen täglich zur Visite", informierte Dr. Grimm, die anhand einer Statistik die steigende Anzahl von Schlaganfällen verdeutlichte, die im Jahr 2015 bei 178 Patienten lag und im Vorjahr bei 222.

Aus dem Publikum kam die Frage "Wohin, wenn man Verdacht auf Schlaganfall hat ?", denn manche fahren ja privat. "Wenn der Verdacht auf Schlaganfall besteht, dann immer gleich nach Münchberg, dorthin fahren auch die Rettungssanitäter, Naila hat den Schwerpunkt Herzkathederlabor."

Abschließend informierte Gabi Peetz über die Selbsthilfegruppe Schlaganfallbetroffener Stadt und Landkreis Hof, die Treffen in Hof, Rehau, Münchberg und Naila anbietet. "Schlaganfallbetroffene und deren Angehörige brauchen Hilfe vor Ort, denn es gilt zu klären, was nach dem Krankenhaus und der Reha zu tun ist, wer Hilfe, Rat und Unterstützung gibt." Bei den Treffen werden verschiedene therapeutische Projekte angeboten, wie Yoga im Sitzen, Bewegungstherapie, Hirnleistungstraining, Sitztanz und auch Qi-Gong im Sitzen, zudem gesellige Veranstaltungen mit medizinischen Fachvorträgen, Ausflüge und Besuche von Fachkliniken und regelmäßige Treffen zur Kontaktpflege und Erfahrungsaustausch.

Nächste Termine der Selbsthilfegruppe sind am Freitag, 9. März, um 14 Uhr der Vortrag "Pflegegrade" im Raum der AOK Hof, Ernst-Reuter-Straße, mit Referentin Birgit Seiler und am Montag, 19. März, um 14 Uhr in der Diakonie am Markt in Naila ein gemütliches Beisammensein mit Kaffee und Kuchen.

    
    

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