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Zeitler lässt die Brauereigeschichte weiterleben

Seit 1580 besitzt die Stadt das Braurecht. Aus der einstigen Privatbrauerei entsteht später die Export-Brauerei-Gefrees.

Helmut Engel
Stephan Zeitler hat alles zusammengetragen, was an die einstige Export-Brauerei-Gefrees noch erinnert. In seinem Keller hat er mit all diesen Erinnerungsstücken ein kleines Museum eingerichtet. Foto: Helmut Engel   » zu den Bildern

Seit 1580 besitzt die Stadt das Braurecht. Aus der einstigen Privatbrauerei entsteht später die Export-Brauerei-Gefrees.

von Helmut Engel

GEFREES Die Stadt Gefrees, die heuer ihr 650. Jubiläum feiert, war aufgrund ihrer Lage an zwei historischen Straßen schon immer ein Ort, an dem die Reisenden eine Rast einlegten und sich stärkten. Kein Wunder, dass früher an der Hauptstraße jedes zweite Haus ein Gasthaus war. Viele von ihnen hatten auch das Braurecht, das Gefrees 1580 verliehen bekam. Bereits im ersten Jahr wurden 1 035 Eimer gebraut, heißt es in der Chronik der Stadt Gefrees. Das Brauwesen unterlag damals einer starken und strengen aufsichtsbehördlichen Überwachung. Bei der Auswahl des zum Brauen erforderlichen Personals sei sehr sorgfältig verfahren worden. So mussten die Brauer, die Mälzer, die Helfersknechte und die Zulieferer bestimmte Pflichtaufgaben erfüllen. Für die Braumeister galt es, einen Schwur abzulegen und jedem einzelnen Brauangestellten wurde eine Dienstanweisung durch den Stadtschreiber vorgelesen. Darauf folgte der Eid.

Die Export-Brauerei-Gefrees braute als letzte bis 1974 in Gefrees; der Abriss des Gebäudes folgte vor genau 40 Jahren, 1976. Übernommen wurde die letzte Gefreeser Brauerei von der Reichel-Bräu Kulmbach. Bei Stephan Zeitler lebt in einem kleinen Museum, untergebracht in seinem Keller, die Export-Brauerei weiter.

Im Dezember 1865 haben drei Gefreeser Bürger bei der Marktgemeinde eine Konzession zur Errichtung und zum Betrieb einer Braunbierbrauerei beantragt. Dies waren der Gastwirt, Metzgermeister und Ökonom Albrecht Müller, ihm gehörte der Gasthof "Goldener Löwe", der Gastwirt und Metzgermeister Karl Künneth, Inhaber des "Grünen Baums", und Metzgermeister Conrad Künneth, der Eigentümer des Künnethschen Anwesens. Bereits am 5. Januar 1866 hat das königliche Bezirksamt in Berneck den Beschluss gefasst, dass das gemeinschaftliche Privatbrauhaus genehmigt wird. Die Brauerei wurde dort gebaut, wo heute der Markgrafen-Getränkemarkt steht.

Das Bierbrauen war mit einer Steuer, dem sogenannten Ungeld, belegt. Das Bier wurde in heißem Zustand von der Braustätte in Butten von etwa zehn Frauen in die Keller getragen. Jede von ihnen verdiente sich so am Nachmittag 50 bis 60 Pfennig. Im Keller musste das Gebräu in Kufen vergoren, auf Lagerfässer umgefüllt und nach mehreren Wochen in kleine, meist Hektoliterfässer, abgelagert werden. Jeder der drei Gründer hatte seine eigene Kundschaft und brachte das Bier in Hektoliterfässern zum Wirt. Diese besaßen eigene Zehn- und 20-Literfässer und mittels eines Rinderdarms füllten die Wirte das Bier in die kleinen Fässer um. Monatlich einmal brachten die Wirte die leeren Fässer zur Brauerei, wo der dort angestellte Büttner die Fässer reinigte und mit einem primitiven Druckverfahren die Schäden ausbesserte. Damit das flüssige Pech vor dem Erstarren gleichmäßig auf die Innenseiten verteilt wurde, rollten Schuljungen diese frisch ausgepichten Fässer herum und verdienten sich so ein paar Pfennige.

Die ersten Jahre nach der Gründung waren laut der Überlieferungen sehr zufrieden stellend, so konnte ihren Anteil an Karl Elisa Lochmüller und an die Stelle von Albrecht Müller war dessen Sohn Richard Müller getreten. Diese drei gründeten 1903 die "Exportbrauerei Gefrees Künneth, Müller & Co. GmbH". Von diesem Zeitpunkt an wurde nicht nur gemeinsam gebraut, sondern auch die Lagerung und der Vertrieb erfolgten gemeinschaftlich.

Die Malzherstellung wurde eingestellt und das frei gewordene Gebäude zum Lager- und Umfüllraum umgebaut. In dieser Zeit hat sich der Ausstoß mehr als verdoppelt. Um konkurrenzfähig zu bleiben, vergrößerten die Eigentümer den Betrieb zeitgemäß. Zudem wurde die Literflasche eingeführt.

Das 50. Jubiläum fiel in die Zeit des Ersten Weltkriegs und die Brauerei hatte, wie die gesamte Wirtschaft, Rückschläge zu verkraften. 1928 schied Heinrich Künneth aus. 1929 wurde mit Christian Fiessmann ein erfahrener Fachmann eingestellt, der "mit seinem Fleiß neuen Schwung in den Betrieb brachte", so steht es in der Chronik. Die ersten Metalltanks wurden angeschafft, Kühlanlage und Fasswäscherei erweitert, das Kühlschiff aufgebaut, die Flaschenfüllanlage erweitert, und 1934 eine neue Picherei gebaut. 1937 wurde die GmbH in eine offene Handelsgesellschaft umgewandelt. Gleichzeitig nahmen die beiden bisherigen Gesellschafter ihre Kinder in das Unternehmen auf.

Von diesem Zeitpunkt an hieß die Firma "Export-Brauerei Gefrees, Müller, Lochmüller & Co. oHG." Fortan lieferte die Brauerei ihr Bier auch nach Sachsen und Ostpreußen. 1966 feierte die Export-Brauerei-Gefrees, die zu diesem Zeitpunkt Diplombau-Ingenieur Robert Hoffmann und Karin Koppmeyer gehörte, ihr 100. Jubiläum. In dieser Zeit schenkten fast alle Lokale in Gefrees Bier der Export-Brauerei aus.

    
    

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