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Die Hüter des Dialekts brauchen Unterstützung

Die Dialekt-Initiative im Berger Winkel sucht derzeit noch neue Mitstreiter. Zwar gibt es viele auskunftsfreudige ältere Bürger, doch es fehlen die jungen für die digitale Datenverarbeitung.

Sandra Hüttner
Der Berger Bürgermeister Peter Rödel (links) und Gerhard Weinrich sind sich einig, dass es für die Dialekt-Initiative Berger Winkel dringend Mitstreiter braucht. Vor allem junge, technisch versierte Leute sind gefragt. Foto: Hüttner  

Die Dialekt-Initiative im Berger Winkel sucht derzeit noch neue Mitstreiter. Zwar gibt es viele auskunftsfreudige ältere Bürger, doch es fehlen die jungen für die digitale Datenverarbeitung.

von Sandra Hüttner

BERG Dialekt ist etwas Positives, spiegelt ein Stück Heimat wider und gilt es, ohne Wenn und Aber für die Nachwelt zu erhalten. "Dialekt stärkt auch die Region", sagt der Berger Bürgermeister Peter Rödel, der die Dialektinitiative im Berger Winkel mit Gerhard Weinrich als Initiator unterstützt. Dialekt kann man auch als ein Produkt sehen und Dialekt findet sich auch in Liedern wieder. "Das Wirtshaussingen liegt voll im Trend, hat Hochkonjunktur und dient auch als Mittel, dem Dialekt zu frönen", meint Peter Rödel. Deswegen müsse das Projekt "Dialekt-Initiative Berger Winkel" weiter entwickelt werden, denn mit den bisherigen Treffen der Berger Frankenwaldvereins-Ortsgruppe im Wanderheim Rothleiten sei es nicht getan, sagt der Bürgermeister.

Begriffe sollen
digitalisiert werden

Im Gegenteil, die Arbeit fängt erst richtig an. "Aber es ist schwierig, weil der Spagat zwischen Wissen und Technik und der Mix zwischen Jung und Alt auf einen Nenner gebracht werden muss", erklärt Gerhard Weinrich. Die bereits zusammengetragenen Dialektbegriffe müssen jetzt noch digitalisiert werden, und dazu braucht es die Jugend. "Wir müssen die jungen Leute mit ins Boot holen", unterstreicht Gerhard Weinrich, gebürtiger Berger, der in Hilpoltstein zu Hause ist.

Ziel der Dialekt-Initiative ist es, den Berger Winkel-Dialekt nicht nur als Wort für den Gesamtraum Nordostoberfranken niederzuschreiben, sondern eine kleinräumige Betrachtung zu erstellen, da der Dialekt von Dorf zu Dorf schon verschieden ist. Die Bereitschaft von älteren Menschen, ihren Dialekt weiterzugeben, ist sehr wohl vorhanden und jetzt gilt es, jüngere Mitstreiter zu aktivieren, die sich auch über einen längeren Zeitraum mit einbinden lassen.

"Wir müssen Personen finden, die zumindest längere Zeit bereit sind, mitzuarbeiten, die dem Ganzen eine technologische und strukturierte Form geben", erklärt Gerhard Weinrich. "Und da ist die Jugend gefordert, da die Älteren uns wohl ihr Wissen weitergeben, aber eben nicht am Computer arbeiten, was wiederum notwendig ist, um alles für die Nachwelt aufzuschreiben." Er selbst sichert seine Mitarbeit zu und weist darauf hin, dass viele der Begriffe vielleicht bald ausgestorben sind, wenn sie jetzt nicht festgehalten werden. "Über kurz oder lang kennt keiner mehr orts- oder regionstypische Begriffe."

Dialekt ist
Brauchtumspflege

Dialekt ist auch Brauchtumspflege, deshalb agiert auch der Frankenwaldverein als Mitstreiter und Unterstützer - die Erhaltung des geistigen Erbes der Heimat sowie die Brauchtumspflege ist sogar in der Satzung des Vereins verankert. Gerhard Weinrich hat von Gisela Schmidt aus Hof deren gesammeltes Dialektwerk bekommen, das sich weitgehend mit dem Berger Wortschatz deckt. "Das sind viele mit Maschine beschriebene Seiten in unterschiedlicher Qualität, auf verschiedenem Papier und in Schrifttypen", erklärt Weinrich, "und die Digitalisierung gestaltet sich schwierig."

Am Ende soll ein digitalisiertes Online-Lexikon entstehen, aber das scheint derzeit noch ein weiter Weg zu sein, weil die Mitstreiter fehlen. "Hier stoßen wir schnell an unsere Grenzen, denn nur Befragungen und Notizen - das funktioniert nicht, wir brauchen Mitstreiter wie Schüler, die ihre Großeltern und Eltern befragen und das auch gleich eingeben", erklärt Initiator Gerhard Weinrich, dem ein Schulprojekt vorschwebt. "Bisher haben wir nur einen Teilschritt bei den bereits vorhandenen Wörtern, die es nun zu thematisieren, zu katalogisieren gilt sowie nach Bedeutung, Ausdruck mit Erläuterung der Verwendung und nach Fachgebiet zu ordnen."

Das klingt nach Arbeit und ist auch Arbeit. Das verhehlen weder Gerhard Weinrich noch Bürgermeister Peter Rödel, wohl auch wissend, dass sich gesprochener Dialekt schwierig schreiben lässt. Zwei Schritte nennt Gerhard Weinrich: Es braucht Personen, die die Digitalisierung umsetzen und in einer Form aufbereiten, die dann jederzeit fortgeschrieben werden kann und zum zweiten sollten diese Niederschriften durch Befragungen auch bestätigt werden, um auf Nummer sicher zu gehen. "Mit einer Sprachprobe, was ja heute mit dem Handy kein Problem darstellt, hätte man neben der Bestätigung auch eine weitere Konservierungsmethode."

Bürgermeister Peter Rödel ist von der Idee einer Sprachprobe gegeistert und spricht in diesem Zusammenhang von "einer runden Sache". Jetzt brauche es aber erst einmal Mitstreiter, um beides umsetzen zu können. Und die Zeit drängt, denn immer mehr Dialekt verschwindet und wird in der nächsten Generation gar nicht mehr vorhanden sein. "Wir müssen Leute zum Mitmachen gewinnen", sind sich Bürgermeister Peter Rödel und Gerhard Weinrich einig.

DIALEKT-LIEDERSINGEN

Das erste Dialekt-Liedersingen (Schwammalied, Leipoldsnickel, Nickela vo Naala, Zwaa Baamla im Garten) findet am Sonntag, 6. Dezember, um 15 Uhr im FWV-Wanderheim in Rothleiten statt.

Wer sich der Dialekt-Initiative Berger Winkel anschließen möchte, kann bereits ab 13 Uhr kommen oder einfach Kontakt aufnehmen per E-Mail an g.weinrich@photolux.de.

Übrigens: Formblätter für die Datensammlung gibt es schon.


    
    

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