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Hundetransport: Böse Stimmen gegen Tierschützer

Hohe Wellen hat der Bericht über den rumänischen Tiertransport mit 31 entkräfteten Mischlingshunden geschlagen, den die Bundespolizei bei Marktredwitz gestoppt hat. Nun können die Besitzer ihre Hunde in den Tierheimen abholen.

Hohe Wellen hat der Bericht über den rumänischen Tiertransport mit 31 entkräfteten Mischlingshunden geschlagen, den die Bundespolizei bei Marktredwitz gestoppt hat. Nun können die Besitzer ihre Hunde in den Tierheimen abholen.

WUNSIEDEL "Der Parvovirose-Verdacht hat sich nicht bestätigt", berichtet Andreas Brucker, stellvertretender Geschäftsstellenleiter des Deutschen Tierschutzbundes im Landesverband Bayern und Regionalbeauftragter für Oberfranken, auf Nachfrage des BLICKPUNKTS. Brucker war am Samstag vor einer Woche persönlich dabei, als die Bundespolizei durch Zufall den Transport mit 31 dehydrierten Hunden aus Rumänien entdeckte. Entgegen aller Mutmaßungen und Anfeindungen im Internet, die seitdem von einer rund 20 Mann starken Gruppe befeuert werden, waren die Hunde Brucker zufolge nicht acht Stunden lang unversorgt beschlagnahmt, ehe 13 von ihnen im Tierheim Breitenbrunn unterkamen. "Die Hunde waren innerhalb von zwei Stunden im Tierheim", so Brucker. Die anderen wurden an vier weitere Tierheime verteilt, denn aufgrund des Seuchenverdachts mussten alle in Quarantäne. Das bestätigt auch Tierheimleiterin Anette Bartholomai aus Breitenbrunn: "Meine Kollegen haben bis tief in die Nacht gearbeitet an diesem Samstag, um die Tiere zu versorgen. Sie kämpften auch danach bis zu ihrer Erschöpfung weiter für die Tiere, damit es den Hundis bald wieder besser geht." Auch das Breitenbrunner Tierheim hat den Ärger der mutmaßlichen Hundebesitzer zu spüren bekommen. "Einige Leute haben uns ganz böse Mails geschrieben", berichtet Bartholomai. "Es gab viele Beschimpfungen, meine Kollegen konnten kaum noch ans Telefon gehen, es hat einfach ununterbrochen geklingelt." Fakt sei außerdem, dass einige Leute vermutlich tote Hunde bekommen hätten, weil diese den Transport nicht überlebt hätten. Bartholomai: "Echt traurig, andererseits macht mich das wütend, dass wir und die anderen Tierheime, die zum Wohle der Tiere helfen wollen, so beschimpft werden und die Tierheime schlecht hingestellt werden."

Auch die BLICKPUNKT-Redaktion erreichten Mails und Anrufe, warum wir so schlecht über den Tiertransport berichtet hätten. Man warf uns unter anderem vor, die "schnelle Schlagzeile" zu suchen und wischte alle sachlichen Argumente vom Tisch. Davon, dass es den Hunden ernsthaft schlecht ging, wollten die Beschwerdeführer nichts hören, schließlich habe man die Diskussion im Internet verfolgt und kenne sich aus. Der BLICKPUNKT distanziert sich von solcherlei Diskussionen und vertraut weiterhin auf seine seriösen Quellen - in diesem Fall Deutscher Tierschutzbund, Bundespolizei und Tierschutzverein Wunsiedel.

Allen Hunden
geht es besser

Unterdessen steht fest, dass die Hunde nicht an der ansteckenden Infektionskrankheit Parvovirose leiden. "Allen Hunden geht's besser beziehungsweise sie sind auf dem Weg der Besserung. Und das ist es, was Tierschutz ausmacht", so Bartholomai. Nach Auskunft von Andreas Brucker vom Tierschutzbund hat das Landratsamt Wunsiedel inzwischen alle mutmaßlichen Hundebesitzer angeschrieben. "Sie können die Hunde nun unter Auflagen abholen", so Brucker weiter. Werden manche nicht abgeholt, gehen sie zunächst in das Eigentum des Landratsamtes Wunsiedel über, das dann über deren weiteres Schicksal entscheiden muss.

Die Ermittlungen laufen Brucker zufolge weiter. Bekannt ist zum Beispiel, dass insgesamt 20 Abladestellen für die Hunde geplant waren. Fünf hätten bis England durchhalten müssen. "Das hätten sie niemals überlebt", sagt Brucker. Auch die Leute aus England müssten persönlich nach Deutschland kommen, um ihren Hund im Tierheim abzuholen.

Doch nicht alle sind gesund: Die Giardien-Testergebnisse sind beispielsweise bis Redaktionsschluss noch nicht eingetroffen. "Sollten manche Hunde Giardien haben, müssten die Besitzer dies bei ihrem Tierarzt behandeln lassen."

Etwas Gutes hat die Geschichte aber trotzdem: Alle 31 Hunde konnten gerettet werden und haben dank des Einsatzes vieler Menschen überlebt. Tierheimleiterin Anette Bartholomai möchte außerdem den vielen Spendern danken, die unzählige Decken ans Tierheim geschickt haben: "Ich bin beeindruckt, dass so viele geholfen haben." Decken habe man nun erstmal genug. Wer trotzdem noch helfen möchte, kann den Tierschützern mit Waschpulver, Desinfektionsmitteln oder Wurmkuren unter die Arme greifen.

Ob dieser Hundetransport nun auch ein gerichtliches Nachspiel haben wird, wird sich zeigen. Brucker steht in engem Kontakt mit den Justiziaren des Deutschen Tierschutzbundes und sieht in dem Vorfall einen "klaren Verstoß gegen das Tierschutzgesetz". Tina Eckardt

    
    

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