» zur Übersicht Landkreis Hof
    
Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text   


Rehkitzfall: Bauer muss 3 000 Euro zahlen

Sieg für den Hofer Tierschutzverein: Das Amtsgericht Hof hat den Landwirt, der im Juni 2013 zwei Rehkitze mit seinem Mähwerk getötet hat, zu 3 000 Euro Geldstrafe verurteilt.

Roswitha Gräßel, Vorsitzende des Hofer Tierschutzvereins, hat den Prozess im Gerichtssaal verfolgt. Der Verein hatte den Landwirt zuvor angezeigt. Foto: -eck  

Sieg für den Hofer Tierschutzverein: Das Amtsgericht Hof hat den Landwirt, der im Juni 2013 zwei Rehkitze mit seinem Mähwerk getötet hat, zu 3 000 Euro Geldstrafe verurteilt.

von Tina Eckardt

HOF Roswitha Gräßel, die Vorsitzende des Hofer Tierschutzvereins, atmet auf: "Endlich hat sich mal was getan. Wir haben vor ein paar Jahren schon mal einen Bauern in Döhlau angezeigt - ohne Erfolg." Sie betont, wie wichtig es sei, dass es Zeugen gibt, die einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz vor Gericht bestätigen. "Wir könnten viel mehr tun, wenn sich mehr Leute als Zeugen zur Verfügung stellen würden." Umso höher sei es der jungen Zeugin im Rehkitzfall anzurechnen, dass sie den Mut hatte, den Tierschutzverein zu informieren und gegen den Landwirt aus Leupoldsgrün vor Gericht auszusagen.

Rückblende: Im Juni des vergangenen Jahres ereignete sich der Vorfall auf einer Wiese des Landwirts bei Leupoldsgrün. Der BLICKPUNKT berichtete auf Seite 1 über den Verstoß gegen das Tierschutzgesetz: "Ich war gerade in unserem Haus, als ich sah, dass der Bauer anfing die Wiese zu mähen", berichtete die Zeugin unserer Zeitung. Schon Tage zuvor hatte sie immer wieder Rehe in der Wiese bemerkt, deshalb läuft sie kurzentschlossen hinüber und berichtet dem Landwirt von ihren Beobachtungen. "Darauf erwiderte er, dass er jetzt schon mit dem Mähen angefangen habe und sofort aufhöre, wenn er eine Geiß sieht."

Bauer ignoriert
Hinweise

Kurz darauf sieht die Zeugin die Geiß in der Wiese umherspringen. "Ich habe den Bauern darauf aufmerksam gemacht, aber er hat nicht weiter reagiert", schilderte sie die Situation. "Ich habe ihn darauf hingewiesen, dass es ja auch die Möglichkeit gibt, die Wiese nach Kitzen abzusuchen." Davon will der Landwirt aber nichts wissen. "Er hat dann einfach weiter gemäht und die Geiß ignoriert, die die ganze Zeit aufgeregt umher gelaufen ist und ,Schreck-Laute' ausgestoßen hat, wahrscheinlich aus Angst um ihre Kleinen", berichtete die junge Frau dem BLICKPUNKT. Von ihrem Haus aus beobachtet die Leupoldsgrünerin die Situation schließlich mit einem Fernglas. Sie sieht, wie der Landwirt anhält, ein totes Kitz auf die Ablagefläche über dem Mähwerk auflädt und weiterfährt. Nachdem er fertig ist und die Wiese verlässt, kommt die Geiß zurück und verharrt an einer Stelle. Durch das Fernglas sieht die Zeugin, dass in der Wiese ein weiteres Kitz liegt. "Da wusste ich, dass ich nach dem Rechten sehen muss", sagte sie. "Als ich dort ankam sah ich, dass es noch lebt. Die beiden Vorderläufe waren völlig durchbrochen und abgerissen, an einem Hinterlauf stand der Knochen heraus. Ich war mit der Situation total überfordert."

Nach einem Telefonat mit ihrem Freund verständigt die junge Frau den Tierschutzverein Hof, der die Polizei benachrichtigt. Jäger Achim Deeg, der ebenfalls als Zeuge vor Gericht aussagen musste, erlöst das Tier von seinem Leiden. Der Tierschutzverein zeigt den Landwirt schließlich wegen eines Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz an.

Vor Gericht: Nachdem sich die Ermittlungen lange hingezogen haben und auch der Gerichtstermin verschoben werden musste, fand der Prozess schließlich am vergangenen Dienstag statt. Tierschutzvereinsvorsitzende Roswitha Gräßel war persönlich vor Ort - und musste die Verhandlung stehend verfolgen. "Es war wahnsinnig voll, ich hätte nie gedacht, dass so viel los ist", berichtet die 76-Jährige. Die Jägerschaft verfolgte nahezu geschlossen das Verfahren und äußerten sich Gräßel gegenüber, dass sie froh seien, dass sich zum Thema überfahrene Rehkitze endlich einmal was tue. Sie lobten Gräßel zufolge auch den Mut der jungen Zeugin und sagten, es müsse mehr Leute wie sie geben.

Der Leupoldsgrüner Landwirt (Name ist der Redaktion bekannt) indes machte keine Aussage vor Gericht, sondern überließ das Wort ausschließlich seinem Rechtsanwalt Bernd Ostheimer. Dieser hakte bei den Zeugen akribisch nach und fragte unter anderem, ob das Blut am Mähwerk kontrolliert worden ist, ob es auch wirklich von den Kitzen stamme und welche Marke das Fernglas der jungen Zeugin habe. Sie sollte auch angeben, ob sie ganz sicher wisse, dass es ein Rehkitz war, das der Bauer aufgeladen und mitgenommen habe. Die Zuhörer reagierten zeitweise mit Kopfschütteln auf diese "Haarspalterei", wie Gräßel beobachtete.

Kein Zweifel an der

Glaubwürdigkeit

Nach dem Plädoyer von Staatsanwältin Susanne von Brunn, sagte auch Richter Eik Launert, dass er keine Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Zeugin habe. Er verurteilte den Landwirt zu 60 Tagessätzen à 50 Euro, was insgesamt 3 000 Euro entspricht. Nach Auskunft des Pressesprechers am Landgericht Hof, Bernhard Heim, gilt der Landwirt demnach noch nicht als vorbestraft. Erst ab 90 Tagessätzen hätte er einen Eintrag ins Führungszeugnis bekommen. Innerhalb von einer Woche nach dem Urteil hätte der Bauer Zeit, Berufung einzulegen. Angesichts der erdrückenden Beweise ist es aber fraglich, ob das wirklich sinnvoll wäre.

    
    

Diesen Artikel

    
    

Online-Anzeigenannahme

Möchten Sie eine Anzeige aufgeben?

Hier können Sie bequem Ihre Anzeige verfassen:

»Anzeige online aufgeben

Alternativ erreichen Sie unsere Anzeigenannahme telefonisch unter der Service-Hotline 09281/1802042 oder per Fax unter 09281/816-148.

    
    

aktuelle Verlagsbeilagen

Unsere Heimat
Bauen und Wohnen
Biergartenzeitung
Fahrspaß im Frühling - Ausgabe Hof + Rehau
    
    

Anrufen und verlieben 

Sie suchen einen netten Partner oder die große Liebe? Dann sind Sie bei amio Singlesuche genau richtig! »mehr
    
    

Mediadaten 

Die gesamte Preisliste mit Preisen für Kombi-/ Einzelausgaben, Farbanzeigen und viele weitere Informationen wie Verbreitungsgebiet und Erscheinungsweise finden Sie hier. »mehr