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Angst vor rechten Umtrieben

Eine junge Frau hat im Feilitzscher Ortsteil Unterhartmannsreuth (Kreis Hof) im April diesen Jahres ein Haus gekauft. Sie ist 25 Jahre alt und hat für die NPD im Mai auf deren Landesliste für die Landtagswahlen in Schleswig-Holstein kandidiert.

Klärten über die neue Bewohnerin von Unterhartmannsreuth auf (von links): Helmut Grießhammer, Bürgermeister von Feilitzsch, der Hofer Landrat Bernd Hering, Werner Mikulasch, Vizepräsident der Polizei Oberfranken, und Stefan Handl vom Verfassungsschutz. Foto: jk  

Eine junge Frau hat im Feilitzscher Ortsteil Unterhartmannsreuth (Kreis Hof) im April diesen Jahres ein Haus gekauft. Sie ist 25 Jahre alt und hat für die NPD im Mai auf deren Landesliste für die Landtagswahlen in Schleswig-Holstein kandidiert. Das Landratsamt Hof und die Gemeinde Feilitzsch gaben bei einer Pressekonferenz aber erstmal Entwarnung.

Von Julia Kuhbandner

FEILITZSCH Mit diesem Schritt in die Öffentlichkeit wollen das Landratsamt und die Gemeinde, laut dem Hofer Landrat Bernd Hering, nicht nur ein Zeichen gegen Rechts setzen, sondern die Bürger über die genauen Umstände aufklären und zeigen, dass die Behörden wachsam sind. "Die derzeitige Situation in Unterhartmannsreuth geht deutlich über bloßen 'Dorfklatsch' hinaus. Die Bürger machen sich Sorgen", sagt Hering. Auch Stefan Handl, Kriminalhauptkommissar bei der bayerischen Informationsstelle gegen Extremismus (BIGE) im Landesamt für Verfassungsschutz, bestätigt, dass mittlerweile die "Gerüchteküche unkontrolliert brodelt".

Diese Verunsicherung der Bevölkerung hänge vor allem mit den Ereignissen in Oberprex (siehe Infokasten) zusammen. "Wenn Rechtsextremismus in der Region bereits ein Thema ist, entwickelt sich sehr schnell eine Eigendynamik", sagt Werner Mikulasch, Vizepräsident der Polizei Oberfranken. Die Bevölkerung reagiere hier sehr sensibel, unterschätze dabei aber, dass die Behörden sachlich vorgehen müssten und erst dann reagieren könnten, wenn es wirklich konkrete Vorfälle gibt.

Und die gebe es in Unterhartmannsreuth bisher eben nicht. Die 25-jährige Frau hatte im April diesen Jahres das ehemalige Dorfschulhaus gekauft, in dem zuletzt ein Elektroteilehandel untergebracht war. Wie Landrat Hering zur Pressekonferenz betonte, sei das Haus auf dem freien Markt angeboten worden. Dementsprechend habe es keine Einspruchsmöglichkeit der Gemeinde oder des Landratsamtes gegen den Kauf gegeben. Zumal auch niemand seine Parteizugehörigkeit angeben müsse, wenn er sich auf dem Einwohnermeldeamt vorstellt. Die Informationen über die Käuferin, die in Unterhartmannsreuth nun so hohe Wellen schlagen, sind der Polizei, laut Mikulasch, ohnehin erst dann zugetragen worden, als die junge Frau bereits eingezogen war.

Dennoch bleiben die Behörden in diesem Fall nicht völlig untätig: Nicht nur das Landratsamt Hof beobachte die derzeitige Situation sehr aufmerksam, auch die Gemeinde Feilitzsch selbst sei wachsam, bestätigt Bürgermeister Helmut Grießhammer. Sollte sich die Situation ähnlich entwickeln wie in Oberprex, würde das zumindest nicht unbemerkt bleiben. Bürger aus dem 200-Seelen-Dörfchen Unterhartmannsreuth seien zwar wegen der neuen Einwohnerin noch nicht auf ihn zugekommen, sagt Grießhammer, "aber man bekommt ja die Nachbarschaftsgespräche mit". Daher beobachte er die Situation sehr aufmerksam. Über die neue Anwohnerin könne er momentan nichts Negatives sagen, sie gelte im Ort als sehr höflich und hilfsbereit. "Wir bekennen uns klar gegen Rechts, aber wir können nicht grundlos jemanden beschuldigen, wenn er nichts getan hat." Die Gemeinde habe sich deswegen entschlossen, die Bürger über den aktuellen Stand der Dinge zu informieren, um die Wogen im Dorf zu glätten.

Die Polizei hat bereits offene Gespräche mit der jungen Frau geführt. Dies sei nichts Ungewöhnliches, sondern gehöre zur normalen Polizeiarbeit, erklärt Werner Mikulasch, Vizepräsident der oberfränkischen Polizei. Zwar sei die neue Hauseigentümerin etwas überrascht gewesen, als die Polizei vor ihrer Tür stand, habe sich aber als "sehr offen und zugänglich" gezeigt. Wie die 25-Jährige den Beamten erklärte, hätten sie persönliche Beziehungen zu einem Umzug nach Unterhartmannsreuth bewogen. Bisher sei die junge Frau politisch noch nicht in Erscheinung getreten, man wisse nicht, ob sie noch Mitglied der NPD ist, so Mikulasch. Auch Kontakte zu regionalen Neonazi-Organisationen, wie beispielsweise in Oberprex, konnten der jungen Frau bislang nicht nachgewiesen werden.

Doch auf dem rund 3 500 Quadratmeter großen Grundstück in Unterhartmannsreuth, auf dem die junge Frau nach bisherigen Erkenntnissen wohl alleine lebt, wurde zwischenzeitlich schon ein rechtsextremer "Liedermacher" gesehen. Dieser ist bundesweit bekannt, unter anderem tritt er bei Veranstaltungen der NPD auf. Gegen diese Besuche kann man laut Mikulasch aber nicht vorgehen: "Als Hausbesitzer können Sie empfangen, wen Sie wollen."

Dennoch bleibe der Landkreis Hof in Sachen Rechtsextremismus nicht untätig, betont Landrat Bernd Hering. Das zeigten nicht nur der so genannte Runde Tisch gegen Rechts des Landkreises, sondern auch die zahlreichen Initiativen und Aktionsgruppen, die sich gegen die rechte Szene einsetzen. Außerdem gebe es vor allem an den Schulen immer wieder Präventivmaßnahmen. Die Verbandsschule Bayerisches Vogtland in Feilitzsch wurde zum Beispiel als "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" ausgezeichnet.

INFO

160 Mitglieder rechtsextremistischer Parteien sowie rund 70 Neonazis und etwa 20 rechtsextremistische Skinheads gibt es laut der Internetseite "Bayern gegen Rechtsextremismus" der Bayerischen Staatsregierung in Oberfranken. Die Sensibilität der Bürger in Sachen Rechtsextremismus in unserer Region geht auf die Ereignisse in Oberprex zurück. Im März 2010 kaufte die Mutter des "Rechtsrockers" Tony Gentsch dort die ehemalige Gaststätte "Zum Egerländer". Gentsch, ein gelernter Metzger aus Töpen, ist dem Verfassungsschutz längst als langjähriger Nazi bekannt und gilt als Kopf der "Freien Nationalisten Hof", die er bis zu seiner Inhaftierung im April 2011 leitete. Die Organisation ist Teil des überregionalen Neonazi-Netzwerks "Freies Netz Süd" (FNS).

Angeblich sollte die ehemalige Gaststätte in Oberprex der Mutter von Tony Gentsch als Altersruhesitz dienen, doch das Anwesen entwickelte sich zu einem Treffpunkt für Neonazis, günstig gelegen im Vierländereck Bayern-Thüringen-Sachsen-Tschechien. Seit der Verhaftung Gentschs ist es zwar ruhiger geworden, dennoch nutzen die Rechtsextremen den ehemaligen Gasthof nach wie vor als Veranstaltungsort.

Im März dieses Jahres setzten die Gemeinde Regnitzlosau, die oberfränkische Polizei, der Landkreis Hof und mehrere Bürgerinitiativen mit der "Oberprexer Erklärung" ein Zeichen gegen den Rechtsextremismus. Damit soll öffentlich unter dem Motto "Bei uns ist kein Platz für Nazis" der gemeinsame Einsatz gegen die rechte Szene dokumentiert werden.


    
    

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