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Gerhild kümmert sich um jeden Scheiß

Tage-, ja wochenlang hatte Werner aus dem Fichtelgebirge genau auf diesen Moment gewartet. Vergangene Woche drehte er ihn endlich um, der Wirt, den Schlüssel im Schloss der Fronttür des Vereinsheims.

Tage-, ja wochenlang hatte Werner aus dem Fichtelgebirge genau auf diesen Moment gewartet. Vergangene Woche drehte er ihn endlich um, der Wirt, den Schlüssel im Schloss der Fronttür des Vereinsheims. Seit er am Kommunalwahlabend das mäßige Abschneiden seiner Partei in einem Gemisch aus Enzian und Fassbier ertränkt hatte, durfte Werner ja nicht mehr in sein Stammlokal.

Nun, anders sah es darin aus nach den Wochen der Zwangsschließung. Der Wirt hatte offensichtlich die Tische weiter auseinander gestellt. Und alle, die hereinkamen, hatten eine Maske auf und jeder setzte sich an einen anderen Tisch. Aber sei‘s drum, mit 1,50 Meter Distanz, aber vereinter Herzlichkeit prosteten sich die Clubkameraden zu - die Mund-Nasen-Maske für den möglichen Toilettengang immer schön neben dem Bierfilz liegend.

Auf der Eckbank neben Werner nahm plötzlich Max Platz, und es entspann sich eine feuchtfröhliche Diskussion darüber, ob denn der Vierbeiner dort sitzen dürfe. Max ist der Vereinsheimkater. Und als solcher gehört er quasi zum lebenden Inventar des Clubheims. Letztlich waren sich die bierseligen Kumpels noch nicht einig, als alle in mehr oder weniger gebührendem Abstand zu nachtschlafender Zeit nach Hause wankten. Hätte der Kater nun neben Werner Platz nehmen dürfen oder nicht ? Der Fellnase war das einerlei. Der schwarze Kater folgte auf seinen weißen Pfoten dem Tross aus dem Vereinsheim.

Etwas zielen musste der Werner dann schon, als er die heimische Haustür erreichte. Nach Wochen der Abstinenz war er wohl etwas aus der Übung. Letztlich erreichte er zumindest die Couch, wo er mit einem heftigen Anfall des berüchtigten "Bierhungers" mit einem Wienerl aus der Dose bei Markus Lanz‘ Wiederholung selig vor dem Fernseher entschlief.

Im Oberstübchen hatte Gerhild, die Gemahlin, von Werners Leidensweg aufs heimische Sofa nichts mitbekommen. Wohl nahm sie aber zwei Stunden später elendes Maunzen einer Katze war, verbunden mit einem heulenden Knurren einer anderen. Und als sie sich schlaftrunken die Treppe hinunter mühte, fand sie Trixi, ihre schwarze, alte Katze schimpfend auf der untersten Stufe. Sie raunzte offensichtlich ein weiteres Felltier in der Küche an. Gut - verstanden hatten sich die beiden noch nie wirklich. Um den nächtlichen Frieden herzustellen, ließ sie Sammy, die jüngere schwarze Katze auf ihren weißen Pfoten hinaus, was die alte Trixi doch beruhigen sollte. Sie knipste noch dem auf der Couch schlummernden Werner das Licht und den Fernseher aus, ehe sie wieder im Bett verschwand.

Nur 15 Minuten später holte sie eine immer noch maulende Trixi wieder aus dem Schlaf. Diesmal stand das schwarze Tier vor seinem Sitzsack und knurrte. Als Gerhild abermals schlaftrunken nahte, zog ihr ein übelriechender Duft in die Nase: Da hatte doch ganz offensichtlich eine Katze ihre Notdurft verrichtet. Und da Trixi ja wohl kaum ihr eigenes Nachtlager vollscheißt, war der Übeltäter ausgemacht: Sammy. Letztlich verräumte sie den Katzendreck und versuchte, noch ein paar Minuten zu schlafen, ehe der Wecker klingelte.

Das wiederum tat der natürlich auch - wenig später. Und wieder hangelte sich Gerhild die Treppe hinunter. Diesmal hörte man nur ein sonores Männerschnarchen aus dem Wohnzimmer. Und gerade, als sie sich ein Käffchen herauslassen wollte, kam eine munter maunzende Sammykatze aus dem Büro geschlichen und streckte ihre vier weißen Pfoten gähnend von sich. Sichtlich verwirrt weckte Gerlinde den Gemahl und erzählte ihm von ihrer nächtlichen Erscheinung, die ebenso real wie übelriechend war. "Das kann schon sein", entgegnete ihr ein verkaterter Werner. "Mich hat heute Nacht der Max vom Vereinsheim verfolgt und ist, glaube ich, mit ins Haus gehuscht . . ."

    
    

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