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Wenn Traditionen bröckeln

Die Kommunalwahlen im kommenden Frühjahr werfen schon längst ihre Schatten voraus: Allerorten werden fleißig Bürgermeisterkandidaten nominiert und Listen mit willigen Bürgern für Gemeinde- und Stadtratsgremien zusammengestellt.

Die Kommunalwahlen im kommenden Frühjahr werfen schon längst ihre Schatten voraus: Allerorten werden fleißig Bürgermeisterkandidaten nominiert und Listen mit willigen Bürgern für Gemeinde- und Stadtratsgremien zusammengestellt. In sämtlichen Parteien laufen die Vorbereitungen also auf Hochtouren, um am 20. März möglichst viele Wählerstimmen abzugreifen. Umso wichtiger sind da natürlich werbewirksame Flyer mit den Konterfeis der Damen und Herren der Wählerlisten, damit die Wahlberechtigten vor Ort auch informiert sind, wem sie da eigentlich ihre Stimme geben sollen. Um die Kandidaten in ihrer vollen Pracht in Szene zu setzen, vereinbart deshalb ein umtriebiger Ortsverband der Partei mit dem großen "C" im Namen einen Termin beim Fotografen vor Ort. So ist das schon seit Jahrzehnten Tradition und die sympathischen Bilder kamen beim geneigten Wähler immer gut an.

Am Samstagvormittag herrscht also auch bei Stadtratskandidat Markus rege Betriebsamkeit: Der Bart wird gestutzt, die Matte in Form gefönt und das beste Hemd übergeworfen, bevor es ab zum Fotografen geht. Zehn Minuten vor dem vereinbarten Termin betritt er geschniegelt und gebügelt das Studio. Muss allerdings noch kurz warten, denn der Kandidat von der orangefarbenen Konkurrenzpartei, der sich aus Seriositätsgründen sogar eine Krawatte umgebunden hat, ist noch nicht fertig.

Komisch nur, dass von Markus‘ Parteikollegen noch nichts zu sehen ist. Aber unverdrossen wartet er zwischen romantischen Hochzeitsfotos und herzallerliebsten Kinderbildern, bis er endlich an der Reihe ist. Überprüft vorsichtshalber nochmal den Sitz seiner Brille und streicht das Hemd glatt, als plötzlich sein Handy klingelt. Ein Kollege von der schwarzen Stadtratsliste ist am anderen Ende. Und schon leicht verzweifelt: "Sag mal, ich steh jetzt hier an der Schule, aber ich find‘ das Fotostudio einfach nicht." Markus indes wird es abwechselnd heiß und kalt. "Wieso Schule? Ich dachte, wir sind wie immer beim Fotografen in der Stadt?"

Nein, sind sie dieses Mal nicht, ergibt dann eine dezente Nachfrage beim Fotografen. Nur gut, dass das Städtchen nicht allzu groß und somit der Weg zum zweiten örtlichen Fotoprofi nicht weit ist. So schafft es Markus noch halbwegs pünktlich zum vereinbarten Fototermin. Und ist um die Erkenntnis reicher, dass selbst bei einer Traditionspartei mitunter mal was Neues ausprobiert wird.

    
    

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