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Ingenieurskunst trifft auf Pragmatismus

Noch im vorigen Jahrhundert galt Deutschland als das Land der Dichter und Denker. "Made in Germany" war ein Qualitätsversprechen, dem die Produkte und Dienstleistungen der deutschen Wirtschaft jederzeit standhielten.

Noch im vorigen Jahrhundert galt Deutschland als das Land der Dichter und Denker. "Made in Germany" war ein Qualitätsversprechen, dem die Produkte und Dienstleistungen der deutschen Wirtschaft jederzeit standhielten. Und German Engineering war ein Qualitätsmerkmal, für das sich die Deutschen gut bis sehr gut bezahlen ließen.

Seit der Jahrtausendwende hat sich das Blatt aber irgendwie gewendet. Unsere Autobauer schummeln, um Abgaswerte zu schönen. Politiker murksen monatelang an einer Maut, der keiner traut. Und auch die bislang so florierende Wirtschaft trübt sich ein - schreiben jedenfalls die Industrie- und Handelskammern. Viel wird erklärt durch die Globalisierung, die unkontrollierte Zuwanderung, Präsidenten, die außer "Rand und Trump" sind. Gründe gibt es immer viele, die allesamt eins gemeinsam haben: Schuld sind die anderen.

Sarah war shoppen dieser Tage. Nach längerer Abstinenz war wieder einmal ein schwedisches Möbelhaus in Regensburg das Ziel. 453,20 Euro standen letztlich auf dem Kassenzettel. Und Gatte Stefan hatte alle Hände voll zu tun, den Mix aus Küchenutensilien, Gläsern, Pflanzen, Teelichtern und natürlich mehreren Schränken, Regalen und einem klappbaren Balkontischchen mit unaussprechbarem Namen im Familien-Kombi zu verstauen. Aber letztlich war er erfolgreich. Die Heckklappe ging zu.

Auf dem Heimweg machten beide noch einen Abstecher in einen hiesigen Baumarkt. Denn ob der tropischen Temperaturen sollte die Balkontür noch mit einem Fliegengitter versehen werden, damit einerseits frische Luft nach innen gelangt, andererseits aber am Abend Stechmücken und Falter außen vor bleiben. Ein Produkt "Made in Germany" landete schließlich im Einkaufswagen. Etwas teuerer als die Baumarkt-Eigenmarke. Dafür aber ein deutsches Markenprodukt.

Die heimische Garage glich nach dem Entleeren des Kofferraums schnell einem Schlachtfeld, zumal sich die beiden natürlich gleich an den Möbelaufbau machten. "Es ist schon verwunderlich", sagte schließlich ein stolzer Stefan, nachdem alle Schweden-Möbel standen, "dass mit einem kleinen Inbus-Schlüssel und einem Schraubenzieher alles so schnell steht." Euphorisiert vom Aufbauerfolg machten sich beide an das Fliegengitter. Schließlich wollten sie ja noch den Abend genießen. Irgendwann zwischen Tagesschau und Wetterkarte gaben sie aber dann zerknirscht auf und krümelten sich bei geschlossener Balkontür leicht schwitzend auf die Couch. Denn ganz offensichtlich hatte sich in Sachen Fliegengitteraufbauanleitung ein deutscher Ingenieur selbst verwirklicht und einen schlechten technischen Zeichner mit zu viel Detailverliebtheit drangsaliert. Fazit: Die Schwedenmöbel stehen, das deutsche Fliegengitter hängt bis heute nicht . . .

    
    

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