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Geschenkt ist noch zu teuer !

Lange, viel zu lange hatte sich Martin in Sicherheit gewiegt. Er, der einen Spanier mit vier Buchstaben fährt, hatte geglaubt, sein Diesel sei nicht von der Beschiss-Welle eines großen deutschen Autoherstellers betroffen.

Lange, viel zu lange hatte sich Martin in Sicherheit gewiegt. Er, der einen Spanier mit vier Buchstaben fährt, hatte geglaubt, sein Diesel sei nicht von der Beschiss-Welle eines großen deutschen Autoherstellers betroffen. Dennoch gehörte auch sein nach der drittgrößten spanischen Insel benannter Bolide zu den Wagen des Volkes, die softwaregesteuert einen niedrigeren Schadstoffwert vorgaukelten als zugesichert. Das Fahrzeug hatte er seinerzeit in Wunsiedel gekauft, sein Händler hat aber auch eine Dependance im fernen Hof, wo Martin arbeitet. Allerdings musste er, weil nur Wunsiedel der offizielle Vertragsstandort ist, sein Dieselfahrzeug dorthin bringen. "Ihr stellt mir aber dann schon einen Leihwagen ?", hatte er bei der Terminvereinbarung gefragt, und ein "Selbstverständlich, ist ja unser Fehler." als Antwort erhalten.

Also machte er sich am vergangenen Freitag, als Sturmtief Egon auf den Straßen tobte, mutig auf in seine Landkreishauptstadt, um seinen schummelnden Seat vom Beschiss befreien zu lassen. Pünktlich um 7.15 Uhr stellte er den blauen Flitzer vor der Werkstatt ab und betrat die Ausstellungshalle. Seine Chefin hatte ihm ob der Sturmböen und des umherstöbernden Schnees im finsteren Fichtelgebirge großzügig einen Homeoffice-Tag genehmigt, also war keine Eile geboten. Geduldig sah er der Fahrzeug-Fachverkäuferin beim Ausfüllen diverser Formulare zu. Endlich surrte der Drucker. Die freundliche Dame deutete dem Morgenmuffel, der seine zweite Tasse Kaffee noch gar nicht intus hatte: "Dann brauche ich hier noch eine Unterschrift für den Auftrag. Und hier für den Leihwagen. Und dann bekomme ich noch zehn Euro." Auf die Frage, ob sie das denn ernst meine, mit dem Geld - schließlich habe ja der Hersteller einen Fehler begangen und nicht er - erhielt er ein klipp und klares "Ja, wir kommen ihnen da ja preislich sogar entgegen" als Antwort. Mit einem gegrummelten "Normalerweise sollte ich euch meine Arbeitszeit und den Aufwand auch noch in Rechnung stellen !" verließ er aufgebracht die Ausstellungshalle.

Als er abends dann seinen umprogrammierten blauen Kleinkombi wieder abholte, hatte ihm der Vertragshändler immerhin drei Fläschchen auf den Beifahrersitz gelegt, der als kostenlose Serviceleistung des Autohauses auch noch gereinigt worden war, wie es auf dem Arbeitsbeleg stand: einen Liter Scheibenklar, etwas zum Reinigen und sogar ein Motorenöl. "Na wenigstens haben sie mir das zum Einkaufspreis gegeben", dachte sich da Martin immer noch stinksauer angesichts der zehn Euro für einen Leihwagen, den er ohne den systematischen Betrug des Herstellers gar nicht gebraucht hätte.

    
    

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